In allen Branchen: Kaufkraft erhalten
Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die politischen Unsicherheiten wirken sich unterschiedlich auf die Schweizer Wirtschaft aus. So steht insbesondere der bedeutende Exportsektor wegen des starken Frankens vor grossen Herausforderungen. Doch nicht alle Unternehmen sind gleichermassen davon betroffen. Die aktuellen Meldungen zur Wechselkursentwicklung dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Branchen trotz Frankenstärke gut aufgestellt sind. Darüber hinaus werden negative Auswirkungen durch günstigere Importe von Vorleistungen oder Wechselkursabsicherungen abgeschwächt.
Im unsicherer gewordenen Umfeld spielt – einmal mehr – vor allem die Binnennachfrage eine zentrale stabilisierende Rolle. Die private Konsumbereitschaft beeinflusst die künftige Wirtschaftsentwicklung nämlich wesentlich. Die Teuerung wirkt sich negativ auf die Konsumbereitschaft der Arbeitnehmenden aus und muss – auch im Interesse der Unternehmen – durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden.
Die prognostizierte Teuerung für das Jahr 2012 beträgt laut BfS 0.7%. Die SBB hat teurere Billette angekündigt und die Wohnungsnot in den Städten sorgt weiterhin für hohe Mieten. Ausserdem machen sich die Krankenkassenprämien, die nicht im Warenkorb für die Teuerungsprognose enthalten sind, nach wie vor deutlich im Portemonnaie der Arbeitnehmenden bemerkbar.
In besonders betroffenen exportorientierten Bereichen und Unternehmen gilt es, die Verhältnisse vor Ort sorgfältig abzuklären. Die Beschäftigungssicherung hat erste Priorität. Konzessionen bei den Lohnvereinbarungen dürfen nur in Notfällen, sozialpartnerschaftlich begleitet und zeitlich begrenzt gemacht werden. Der KV Schweiz lehnt in jedem Fall längerfristige und flächendeckende vorsorgliche Konzessionen ab.
In stabilen Branchen: Spürbare Lohnerhöhungen
Nachdem bereits in den letzten Jahren die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise die Lohnrunden dominiert haben, heisst das neue Totschlag-Argument Eurokrise. Doch lange nicht alle Unternehmen sind gleich stark davon betroffen. In stabilen Branchen gibt es genug Gründe für eine reale Lohnerhöhung.
Während sich das Bruttoinlandprodukt im laufenden Jahr trotz starkem Franken positiv entwickelt und gemäss KOF-Prognose um 2.8% zunehmen wird, lagen die realen Lohnerhöhungen für das Jahr 2011 deutlich tiefer. Für diejenigen Unternehmen, die vor der Eurokrise saftige Gewinne verbuchten, ist es an der Zeit, die Arbeitnehmenden am Produktivitätsfortschritt mitprofitieren zu lassen.
Zudem gibt es in den heutigen Lohngefügen nach wie vor massive Ungleichheiten, die sich im vergangenen Jahrzehnt zusätzlich verstärkt haben. Während sich die Managerlöhne - der Wirtschaftskrise ungeachtet - deutlich erhöhten, verharrten die Saläre der Arbeitnehmenden grösstenteils auf gleichem Niveau. Von Lohnerhöhungen müssen auch die tiefen und mittleren Einkommen profitieren. Eine sich weiter öffnende Lohnschere trägt nicht zum sozialen Frieden – und damit zu einer stabilen Wirtschaft – bei.
Es bestehen nach wie vor nicht hinnehmbare Ungleichheiten bei den Löhnen zwischen Frau und Mann. Für gleiche Arbeit muss bedingungslos der gleiche Lohn ausbezahlt werden – unabhängig vom Geschlecht.
Die nachstehenden Lohnforderungen (siehe Tabelle) sind Richtwerte für kaufmännisch/ betriebswirtschaftliche Angestellte und den Verkauf in den unterschiedlichen Branchen. Die Lohnforderungen berücksichtigen dabei die aktuellen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Bereichen. Aufgrund der bescheidenen Lohnrunden der letzten Jahre und der daraus resultierenden «aufgestauten» Reallohnlücken besteht grundsätzlich in allen Branchen Nachholbedarf. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage für die exportorientierten Unternehmen akzeptiert der KV Schweiz notfalls auch sehr moderate Lohnerhöhungen, die nur die steigenden Lebenshaltungskosten ausgleichen.






