Newsletter Nr. 9-2010

Prekäre Stellensituation bei Lehrabgänger/innen

Ein Drittel aller KV-Lehrabgänger/innen steht nach der Grundausbildung ohne Job da. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage des Kaufmännischen Verbandes Schweiz.

Trotz besserer wirtschaftlicher Lage ist die Situation von Lehrabgänger/innen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin prekär. Von den  rund 2000 befragten KV-Lernenden gaben zum Zeitpunkt des Qualifikationsverfahrens im Juli 2010 erst 67 Prozent an, eine Stelle gefunden zu haben. 28,5 Prozent stehen ohne Stelle da, 4,5 Prozent absolvieren ein Praktikum.

Betroffen sind vor allem die Absolvent/innen des B-Profils, von denen nur rund die Hälfte eine Stelle gefunden hat. Der Unterschied je nach Profil hat sich gegenüber dem Vorjahr noch akzentuiert. «Das Frustrationspotenzial für Abgängerinnen und Abgänger ohne Anschlusslösung darf nicht unterschätzt werden, denn die erste Stelle ist ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit», sagt Andrea Ruckstuhl, Leiter Jugend beim KV Schweiz.

 

Branche ist entscheidend

Markante Unterschiede gibt es auch je nach Ausbildungsbranche. Lernende in Banken und Versicherungen haben zu 90 Prozent eine feste Anstellung. Beim Handel hingegen stehen nur gut die Hälfte mit einer Stelle da – eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr. «Hier dürfte die schwierige Lage der Exportwirtschaft eine Rolle spielen», nimmt Ruckstuhl an.

Wer zum Zeitpunkt des Lehrabschlusses (noch) keine Stellenzusage hatte, nannte in der Umfrage verschiedene Gründe dafür: Mehr als ein Drittel gaben an, aktiv auf Stellensuche zu sein, aber bisher nur Absagen erhalten zu haben. Gut ein Fünftel plant eine weitere Ausbildung, rund ein Viertel hatte eine Stelle in Aussicht, aber noch keine Zusage. Wie viele der Lehrabgänger/innen ohne Stelle in den ersten Monaten nach Lehrende eine Anstellung finden, wird sich bei der Auswertung der zweiten Befragungswelle im kommenden November zeigen.

 

Ein Drittel nur befristet

Von all den Lehrabgänger/innen, die bereits eine neue Stelle gefunden haben, tritt jede/r Dritte nur ein befristetes Arbeitsverhältnis an. 65 Prozent haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag, 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut die Hälfte aller Befragten wird von ihren ehemaligen Lehrbetrieben weiterbeschäftigt, nur gerade rund 14 Prozent finden auf dem Arbeitsmarkt bei einem neuen Betrieb eine erste Arbeitsstelle. Der KV Schweiz fordert deshalb besonders von denjenigen Firmen, die keine Lernenden ausbilden, vermehrt Lehrabgänger/innen zu beschäftigen. 

 

Lehrabgängerumfrage
2010

Weitere
Auskünfte

Barbara Gisi Leiterin
Angestelltenpolitik, Gleichstellung
Telefon 044 283 45 76



Andrea Ruckstuhl
Ressortleiter Jugend
Telefon 044 283 45 72