Newsletter Nr. 8-2010

«Frech und dumm»

Bei vielen Grossverteilern sind die Herkunftsangaben bei den Frischprodukten falsch. Schuld daran sind vor allem Einsparungen beim Personal, glaubt Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim KV Schweiz.

Context: Im Juli haben die Kantonschemiker in einer gemeinsamen Kontrolle herausgefunden, dass Frischobst und –gemüse in den Filialen sehr oft falsch deklariert sind. Schuld daran sei das Personal, sagte daraufhin ein Migros-Sprecher. Hat er Recht?

Barbara Gisi: Nein, diese Aussage ist frech und dumm, denn für die Dienstleistungsqualität ist der Arbeitgeber verantwortlich. Aber die Migros hat sich auch sehr schnell dafür entschuldigt.

 

Wo sehen denn Sie den Grund für die vielen Falschdeklarationen?

Letztlich schon beim Personal. Aber nicht wie postuliert bei den einzelnen Mitarbeitenden, sondern bei der Tatsache, dass die meisten Detailhändler mit immer weniger Angestellten immer grössere Verkaufsflächen bewirtschaften. Wir hören sehr oft von Angestellten der Branche, der Druck sei massiv gestiegen. Wenn die Arbeitgeber Wert auf sorgfältiges Arbeiten legen, dann müssen sie aber auch genug Personal einstellen.

 

Werden die Ergebnisse ein Umdenken bewirken?

Ich fürchte nicht. Im Detailhandel herrscht ein enorm starker Konkurrenzkampf bei kleinen Margen. Da wird optimiert und gespart, wo es nur geht. Mit Coop und Migros sitzen wir schon seit vielen Jahren am Verhandlungstisch, und an der Personalschraube wird gedreht, soweit ich mich zurückerinnern kann.

 

Was unternimmt der KV Schweiz nun weiter?

In der konkreten Sache nichts. Die Migros hat sich für ihre dumme Bemerkung entschuldigt, und damit ist die Sache für uns erledigt. Wir werden uns aber in künftigen Sozialpartnerverhandlungen noch stärker dafür einsetzen, dass die Unternehmen ihren Personalbestand halten oder sogar punktuell erhöhen.