Newsletter Nr. 4-2010

Den Erfolg anziehen

In der Schweiz gibt es kaum explizite Kleidervorschriften für Angestellte. Mitarbeitende mit Kundenkontakt jedoch müssen sich an ungeschriebene Regeln halten.

Von Therese Jäggi und Andrea Mašek

 

Dunkel angezogene Menschen eilen um acht Uhr morgens durch die Zürcher Bahnhofstrasse. Die Männer im meist schwarzen Anzug mit weissem Hemd und Krawatte. Die Frauen im dunkeln Kostüm mit weisser Bluse und dunklen Strümpfen. Was fast wie eine Uniform anmutet, ist offenbar das Standard-Geschäftsoutfit in der Schweiz.

Eine Umfrage in Unternehmen - von Banken über Versicherungen bis Verwaltungen -  zeigt aber: es gibt keine schriftlich festgehaltenen KIeidervorschriften. Gesetzt wird auf gesunden Menschenverstand, etwa bei Schweiz Tourismus, oder auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden wie bei Raiffeisen. Damit fahren die Firmen gut. Die Schweizer/innen kommen angemessen gekleidet zur Arbeit.

 

Für Angestellte mit Kundenkontakt aber gilt nicht nur bei Credit Suisse, Mobiliar und IBM die ungeschriebene Regel: ihre Kleidung muss den Kunden spiegeln. Für sie sind Anzug, Hemd und Krawatte respektive Kostüm, Hosenanzug und Bluse obligatorisch.

 

Kleider machen Karriere

Susanne Zumbühl, Inhaberin der Stilberatungsfirma Autentica, bietet Seminare für Firmen an, welche die Mitarbeitenden entsprechend ihrem Image coachen lassen möchten. Sie ist überzeugt: «Körper und Kleider tragen massgeblich zum ersten Eindruck bei.» Viele Leute seien aber nicht eben kreativ bei der Wahl ihrer Accessoires, stellt sie fest. Gerade aber mit diesen habe man auch bei strengen Dresscodes immer noch einen gewissen Spielraum. Sie rät zudem zu hellen Blusen und Hemden, denn: «Schwarz lässt das Gesicht unscheinbar aussehen.»

«In der Berufswelt hat die Bedeutung des persönlichen Erscheinungsbildes in den letzten zwei bis drei Jahren zugenommen», ist Chantal Heller, Geschäftsführerin von Perfect Image, überzeugt. Ihrer Meinung nach hat dies auch mit der Krise zu tun. «Wenn die Stellen rar werden, will man sich von den andern abheben.» Das könne durchaus auch mal mit etwas anderem als dem fachlichen Know-how sein.

Dass die äussere Erscheinung zu Erfolg verhilft, bestätigt eine Studie der Universität Hamburg. 46 Prozent der befragten Männer in der Lohnklasse über 150 000 Franken gaben an, dies sei bei ihnen so gewesen. Und 27 Prozent der teilnehmenden Führungskräfte bezeichneten die äussere Erscheinung als massgeblichen Erfolgsfaktor.

 

Die Tabus


  • Schief getretene Absätze

  • Zerknitterte Kleidung

  • Turnschuhe, Sandalen, Flip Flops

  • ausgefranste Säume

Sie:


  • zu kurzer Jupe

  • keine Strümpfe

  • Leggins

  • transparentes Oberteil

  • ärmelloses Top

  • bauchfreies Top

  • Tiermuster

  • zu tiefer Ausschnitt

  • übertriebenes Make-up

  • zu viel Schmuck

Er:


  • kurze Socken

  • weisse Socken

  • bunte Hemden

  • Lederkrawatte

  • kurze Hosen