Newsletter Nr. 3-2010

Freiwilligenarbeit kann bei Bewerbung entscheidend sein

Wer Freiwilligenarbeit leistet, sollte dies mit einem Sozialzeitausweis dokumentieren. Denn der Nachweis eines unentgeltlichen Engagements kann bei einer Bewerbung durchaus eine Rolle spielen.

Von Therese Jäggi

 

Den Schweizer Sozialzeitausweis gibt es seit bald zehn Jahren. Laut Barbara von Escher, Präsidentin von Benevol Schweiz, dem Verein Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit, sind während dieser Zeit 300 000 Exemplare verkauft worden. Sie findet es schade, dass der Sozialzeitausweis noch immer viel zu selten den Bewerbungsunterlagen angefügt und deshalb noch immer nicht sehr bekannt ist. «Vielen Menschen fehlt das Bewusstsein, dass ihr Engagement bei einem Bewerbungsverfahren eine Rolle spielen könnte.»

Die Laufbahnberaterin Claire Barmettler sagt dazu: «Vor allem bei Personen mit wenig beruflicher Tätigkeit zeigt der Sozialzeitausweis, welche Aufgaben sie übernommen und welche Fähigkeiten sie sich dabei angeeignet haben.» Wichtig sei aber, so Barmettler, dass die im Ausweis beschriebenen Tätigkeiten etwas mit der angepeilten Stelle zu tun haben: «Sonst verwirren die Papiere mehr als dass sie nützen.»

 

Nun dürfte es vor allem darum gehen, den Ausweis bei den Personalverantwortlichen geläufiger zu machen. Denn vorab bei kleineren und mittleren Betrieben hält sich der Bekanntheitsgrad wohl noch in Grenzen. Eine Befragung vor ein paar Jahren hat ergeben, dass seitens von HR-Fachleuten aber durchaus ein Interesse an einem solchen Nachweis besteht. Wenn jemand zwischen drei fachlich gleich starken Kandidierenden wählen müsse, könne ein freiwilliges Engagement entscheidend sein, meint von Escher. In der Stadt Bern beispielsweise ist eine ausserberufliche Tätigkeit für die Erfahrungsstufe relevant, und im Kanton Bern können Lehrpersonen ein Jahr Familienarbeit als ein halbes Jahr im Beruf geltend machen.

 

Entstanden ist die Idee des Sozialzeitausweises zunächst für Wiedereinsteigerinnen nach einer Familienphase und für Jugendliche, die sich ihre ausserberuflich erworbenen Kompetenzen bei der Suche nach einer Lehrstelle oder einer ersten Arbeitsstelle zunutze machen wollten. Heute gibt Barbara von Escher Kurse für Verantwortliche für Freiwilligenarbeit, damit sie den Sozialzeitausweis vermehrt nutzen und weiterverbreiten.

 

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