Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Die Oberschicht hebt ab

Die Einkommen der Topverdiener und die Vermögen wachsen deutlich schneller als die Durchschnittssaläre.

529 Milliarden oder in Zahlen: 529000 000000 Franken - So hoch sind gemäss jüngster Berechnung der Wirtschaftszeitschrift «Bilanz» insgesamt die Vermögen der 300 reichsten Personen und Familien mit Wohnsitz in der Schweiz. Damit haben die Superreichen ihr Vermögen innert Jahresfrist um 74 Milliarden Franken respektive 14 Prozent gesteigert.

 

Auch die Zahl der gewöhnlichen Reichen und die Grösse ihrer Vermögen nehmen ständig zu. In ihrem jährlichen Vermögensreport stellte die inzwischen eingestellte Wirtschaftszeitung Cash 2006 fest, dass über 160000 Haushalte in der Schweiz ein steuerbares Vermögen von über einer Million Franken besitzen. Jährlich liege die Zuwachsrate neuer Millionäre bei etwa vier Prozent, so das Blatt weiter.

 

Auch bei den Einkommen wächst die Ungleichheit: Das einkommensstärkste Fünftel der erwerbstätigen Bevölkerung erhält in der Schweiz rund 35 Prozent der gesamthaft ausbezahlten Löhne. Und je mehr man sich der Spitze der Einkommenspyramide nähert, desto deutlicher akzentuieren sich die Unterschiede und umso grösser waren in den vergangenen Jahren die Zuwachsraten.

 

Vor anderthalb Jahren hat die Gewerkschaft TavailSuisse die Spitzengehälter von 27 Grossunternehmen mit den Basisgehältern verglichen. Das Resultat: Während die durchschnittlichen jährlichen Lohnsteigerungen zwischen 2003 und 2005 bei rund einem Prozent lagen, haben die Topkader ihr Einkommen zum Teil massiv gesteigert. In 22 der 27 Unternehmen hat sich die Lohnschere - zum Teil deutlich - vergrössert. Spitzenreiter sind die Banken UBS und CS, wo die Chefs über 500 Mal mehr verdienen als die Vollzeitangestellten mit dem tiefsten Lohn. Heute stehen in der «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten 16 Manager, vier mehr als noch vor Jahresfrist.

 

Doch es ist nicht nur diese kleine, wenige hundert Köpfe zählende Wirtschaftselite, die sich immer deutlicher von der Masse abhebt. Auch die zweite Garde in den Unternehmen konnte die Bezüge deutlich schneller steigern als das Gros der Angestellten. Während die durchschnittlichen Reallöhne zwischen 1989 und 2007 um rund 6 Prozent zugelegt haben, verdient ein durchschnittlicher Finanzchef heute laut Berechnungen der Handelszeitung real 30 Prozent mehr, und HR-Verantwortliche konnten ihr Realeinkommen um immerhin 20 Prozent steigern.

 

Nicht statistisch erfasst ist das ständig wachsende Heer von gut bis sehr gut bezahlten Finanzanalysten, Private Bankern, Wirtschaftsanwälten und anderen Hochlohnberufen im Umfeld der internationalen Wirtschaft. Gerade dort aber dürften die Löhne gestiegen sein wie in keinem anderen Bereich. Vor allem dank der Boni stieg die Zahl der Einkommens-millionäre in den vergangenen Jahren kontinuierlich. 2006 schätzte «Cash» die Zahl derer, die ein Einkommen von über einer Million versteuern, auf 3200 Personen.

 

2007 hat die Einkommensstatistik bei den Spitzenverdienern allerdings eine kräftige Delle bekommen. Noch haben die Banken ihre Boni nicht ausgewiesen, aber aufgrund des schlechten Geschäftsgangs 2007 dürften sie deutlich tiefer ausfallen als in den Vorjahren. ibo
 

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Nr. 1/2 | 28. Januar 2008