Die Zeitbombe tickte schon seit fünf Jahren im Gesamtarbeitsvertrag: Damals stimmten die Sozialpartner KV Schweiz, der Metzgereipersonalverband und der VHTL (heute Unia) einem Passus zu, wonach die Migros die Arbeitszeit für gewisse Nebenbetriebe im Bedarfsfall um zwei Wochenstunden erhöhen darf. Betroffen waren die Angestellten der Restaurants, Klubschulen, Freizeitanlagen, industriellen Betriebe und der Logistik. «Das war die Kröte, die geschluckt werden musste, um andere Verbesserungen durchzusetzen», sagt Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim KV Schweiz.
Jetzt hat die Migros angekündigt, ab Juli 2008 von dieser Möglichkeit Gebrauch machen zu wollen. Betroffen sind rund 9000 Mitarbeitende. «Wir sind gar nicht erfreut über diese Erhöhung», sagt Barbara Gisi, «aber wir hatten keine Möglichkeit, sie zu verhindern.»
Konkret: Hätten sich die verbliebenen Sozialpartner (Unia ist inzwischen bei der Migros ausgestiegen) quergestellt, dann hätte der Detailhandelsriese die entsprechenden Branchen wohl aus der Migros-Gruppe ausgelagert und damit aus der Sozialpartnerschaft entlassen. «So aber profitieren die betroffenen Mitarbeitenden immerhin noch von den übrigen Errungenschaften des insgesamt sehr guten Migros-GAV», so Barbara Gisi weiter. Bei Themen wie Mindestlohn, Mutterschaftsschutz oder Absicherung im Krankheitsfall geht die Migros deutlich über die gesetzlich geforderten Mindestbestimmungen hinaus und sieht auch im Vergleich mit anderen GAVs der Branche gut aus. Ausserdem gelang es in Verhandlungen, die Arbeitszeit wenigstens teilweise mit einer generellen Lohnerhöhung von 2 Prozent zu kompensieren.
Die Verlängerung sei nur eine Anpassung an branchenübliche Arbeitszeiten, begründet die Migros diesen Schritt. In der Tat haben alle anderen Gesamtarbeitsverträge im Detailhandel schon längst einen eingeschränkten Geltungsbereich. Mit 43 Wochenstunden liegt die Arbeitszeit bei den Migros-Betrieben aber zum Teil über den Arbeitszeiten vergleichbarer Unternehmen. Der Gastronomie-GAV sieht eine Wochenarbeitszeit von 42 Stunden vor, Angestellte im Transportwesen arbeiten im Schnitt 42,3 Stunden und die Nahrungsmittelindustrie lässt durchschnittlich 42,2 Stunden arbeiten. ibo





