Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Jetzt beginnt die Master-Selektion

Fachhochschulen. Im Herbst 2008 starten die ersten Master¬studiengänge. Vor kurzem hat der Bund entschieden, welche es sein werden. Die Schulen müssen nun festlegen, wer überhaupt zugelassen wird. Die Zeit dafür drängt.
Von Thomas Heeb

 

Die Spannung wich erst kurz vor Weihnachten. Am 20. Dezember 2007 fällte das Volkswirtschaftsdepartement (EVD) den lange erwarteten Entscheid, welche Masterstudiengänge die Fachhochschulen ab Herbst 2008 anbieten dürfen. Von den 86 eingereichten Gesuchen wurden 64 bewilligt (siehe Kasten); über die anderen 22 will der Bund bis Ende Januar entscheiden. Die Einführung der Master-Stufe an den Fachhochschulen (FH) gilt als wichtiger Schritt bei der Umsetzung der Bologna-Reform im Bildungswesen. Sie ist aber auch von Bedeutung für die Positionierung der einzelnen Fachhochschulen und ihrer Teilschulen. Wer keinen Master anbieten kann, dürfte es in Zukunft schwer haben.

 

Der Entscheid des Bundes wird von den Schulen grundsätzlich begrüsst: «Positiv ist vor allem, dass kein Gesuch aus finanziellen Gründen abgelehnt wurde», sagt Fredy Sidler, Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen (KFH): «Wir hoffen nun, dass in der zweiten Runde die meisten Mastergesuche genehmigt werden - und dies rechtzeitig für den vorgesehenen Start.»

Gegenwärtig führt der Bund Gespräche mit jenen Schulen, von denen die noch nicht bewilligten Gesuche stammen. Dazu gehört auch die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), die einen Master of Science in Business Administration anbieten will. Laut der HWZ erwartet man vom Bund einen positiven Entscheid.

 

Bewilligt wurden im Bereich Wirtschaft und Dienstleistungen 11 von 19 Gesuchen. Der Dachverband der Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen moniert, dies könnte zuwenig sein angesichts der gegenwärtig knapp 16000 Studierenden in diesem Fachgebiet. Dass im Bereich Wirtschaft zusätzliche Studiengänge bewilligt werden, sei durchaus vorstellbar, sagt Thomas Baumeler, stellvertretender Leiter des Leistungsbereichs Fachhochschulen beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT): «Wichtig ist ein ausgewiesener Forschungsschwerpunkt und eine klare Abgrenzung dieser Angebote zu den Universitäten einerseits sowie zu bestehenden Weiterbildungsangeboten andererseits.»

 

Auffallend ist, dass mehr als die Hälfte der bewilligten Masterstudiengänge, nämlich 34, auf die Bereiche Musik, Theater und andere Künste entfällt. Das sei mit den historisch gewachsenen Strukturen zu erklären, sagt Baumeler: «Die Schulen sind in ihren Kulturräumen stark verwurzelt, es wäre schwierig, dort kurzfristig einen Schnitt zu machen.» Zudem gehe es bei der Kunst nicht um einen Neu-, sondern einen Umbau: «Diese Ausbildungen dauern heute bereits vier bis fünf Jahre; sie müssen nun in ein neues System überführt werden.» Die Schulen sollen aber ihre Zusammenarbeit verstärken, und es ist ein Anliegen des Bundes, dass auch in den Künsten über eine Zusammenlegung von Lehraktivitäten und die Bündelung von Ressourcen ernsthaft nachgedacht wird.

 

Bachelor nicht schwächen

Baumeler glaubt nicht, dass künftig zu viele Master ausgebildet werden: «Ohne die Kunst sind es noch 52 Studiengänge, verteilt auf die sieben öffentlichrechtlichen Fachhochschulen.» Nach Ansicht des Bundes darf der Bachelor nicht geschwächt werden, sondern soll der häufigste FH-Abschluss bleiben (siehe auch Interview in dieser Ausgabe mit BBT-Direktorin Ursula Renold). Die Schulen hätten in ihren Gesuchen versichert, nur die besten Bachelor-Absolvent/innen zu den Masterstudiengängen zuzulassen: «Wir erwarten, dass sich die Schulen daran halten.» In Zahlen ausgedrückt würde das bedeuten, dass - mit Ausnahme der Kunst - im Schnitt rund 25 Prozent der Studierenden den Master in Angriff nehmen. Die Wirtschaft habe versichert, dass sie die Berufsleute mit FH-Masterabschluss auch tatsächlich brauche.

 

Das bestätigt auch Fredy Sidler von der KFH. Doch entscheiden werde letztlich der Markt. Sidler glaubt nicht, dass in Stelleninseraten künftig nach Bachelor oder Master gesucht wird, sondern weiterhin beispielsweise nach einem Elektroingenieur: «Und danach entscheiden die persönlichen Voraussetzungen.»

 

Die Zeit drängt

Den Bachelor-Titel können ab dem 1. Januar 2009 auch frühere FH-Absolventen führen, zusätzlich zum erworbenen Diplom. Und auch sie sind grundsätzlich berechtigt, einen Master zu erwerben. Bereits geregelt ist die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen. Die Rektorenkonferenzen der Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen haben sich auf die Bedingungen für den gegenseitigen Übertritt vom Bachelor- zum Masterstudium geeinigt.

Die FH müssen nun ihre Zulassungskriterien für die Masterstudiengänge festlegen. Der Bund nimmt darauf zwar indirekt über seine Bewilligungspraxis Einfluss, die in einer Vereinbarung mit den Kantonen festgehalten ist. Die eigentliche Selektion der Studierenden bleibt aber den einzelnen Schulen überlassen. Das sei sinnvoll, sagt Sidler, weil für jeden Studiengang unterschiedliche Kriterien wichtig seien: «Welche das sind, kann jede Schule für sich selber am besten entscheiden.»

Nicht nur die Studierenden, auch ihre Dozenten wollen bestimmt sein. Die FH haben deshalb mit Anstellungen begonnen, bevor der Entscheid aus Bern vorlag. Und bei der Finanzierung der Master müssen die Schulen gemäss einem Beschluss des Parlaments mit 200 Millionen Franken weniger auskommen als beantragt. Es wird also durchwegs eng, wenn die Masterstudiengänge wie geplant im September 2008 beginnen sollen. Doch laut Sidler haben die Schulen gut geplant: «Es sollte reichen.»

 

Thomas Heeb ist Context-Redaktor.

 

Master

Bezeichnung

 

Die Studiengänge sind eine zweite Ausbildungsstufe (so genannte konsekutive Master) und dauern mindestens eineinhalb Jahre. Sie richten sich an überdurchschnittlich qualifizierte Fachhochschul-Absolventen/innen, die ihren Bachelor mit einem Master of Science ergänzen wollen. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Master in Advanced Studies MAS (z.B. Executive MBA), die zur beruflichen Weiterbildung gehören.


 

Schulen

Die Ausbildungen verteilen sich wie
folgt auf die Schulen:
Berner Fachhochschule 14,
Zürcher Fachhochschule 13,

Fachhochschule Nordwestschweiz 10,

Haute Ecole spécialisée de
Suisse occidentale 8,
Fachhochschule
Zentralschweiz 7,
Scuola Universitaria

della Svizzera Italiana 7,
Fachhochschule Ostschweiz 5.


Fachbereiche

Die Master gliedern sich in Technik

und Informationstechnologie (7), Architektur,

Bau- und Planungswesen (3),

Wirtschaft und Dienstleistungen (11),

Design (3), Soziale Arbeit (5), Musik,

Theater und andere Künste (34) sowie

Angewandte Psychologie (1).

Nr. 1/2 | 28. Januar 2008