Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Leserbriefe

«Teilzeitangestellte können Vieles leisten, oft sogar mit höherer Motivation als Vollzeitbeschäftigte.»
(Context 23-24/07)

«Grosser Sprung bei der Bildung»

Im letzten Context-Heft wurde einmal mehr das Thema Gleichstellung Mann/Frau und die Teilzeitarbeit bzw. Vereinbarkeit von Beruf und Familie abgehandelt.

 

Es wird erwähnt, dass Frauen wegen geplanter Familie nicht gefördert werden und Kinderbetreuung Mangelware ist. Diesen Punkten kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Meiner Meinung nach aber kaum je erwähnt wird, dass die Arbeitgeber bezüglich Jobangeboten hier massiv Steine in den Weg legen.

 

Ich arbeite seit über 20 Jahren als Sachbearbeiterin, teilweise mit Mitarbeiterführung. Nach der Geburt des ersten Kindes wollte ich Teilzeit (20 Prozent,1 Tag) weiterarbeiten, was beim damaligen Arbeitgeber jedoch nicht möglich war. Bei einer anderen Firma bekam ich dann diese Möglichkeit. Nach der Geburt des zweiten Kindes habe ich mein Pensum auf 40 Prozent erhöht. Zwischenzeitlich hatte ich eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit als Einkaufsmanagerin und Leiterin eines Grossprojektes zu betreuen allerdings zu einem Salär von 20 Prozent unter dem üblichen Lohn. Nach weiteren fünf Jahren wollte ich mich beruflich nochmals verändern. 

 

Seit 3 Jahren suche ich nun schon eine Teilzeitstelle (1 bis 2 Tage). Trotz guten Qualifikationen und sehr guten Sprachkenntnissen bekomme ich aber immer Absagen mit der stets gleichen Begründung: fehlende Flexibilität. Letzthin konnte ich mich aufgrund einer Blindbewerbung vorstellen. Ich hatte klar erwähnt, dass ich nur 40 Prozent und nur ganze Tage arbeiten kann. Die Freude war gross, ich habe mich gut vorbereitet und extra für diesen Morgen meine Tagesmutter bezahlt. Beim Gespräch stellte sich dann heraus, dass seitens des Arbeitgebers keine grosse Vorbereitung auf das Gespräch erfolgt war. Man war zwar von meiner Bewerbung, meinem Vorstellungsgespräch und allem sehr begeistert, meine Qualifikationen deckten sich zu 100 Prozent mit den Aufgabenbereichen, doch wollte man eigentlich jemanden, der 50 Prozent kommt, jeden Tag und bei viel Arbeit auch mal bis zu 80 Prozent. Wieder nichts!

 

Mehrmals habe ich erlebt, dass eine Stelle mit 50 Prozent ausgeschrieben war und als ich dann nachfragte, ob auch 40 Prozent möglich wären, zur Antwort bekam: dass man die Stelle eventuell später aufstocken wolle (was natürlich nicht im Inserat stand) oder man müsste 100 Prozent Ferienvertretung übernehmen können. Bei einer 100-Prozent-Stelle werden solche Extrakonditionen nie verlangt. Wieso gilt das bei Teilzeitstellen als nahezu selbstverständlich?

 

Vor allem wenn es um etwas qualifiziertere Stellen im kaufmännischen Bereich geht, scheinen die Arbeitgeber sehr unflexibel zu sein. Teilzeitangestellte können Vieles leisten, oft sogar mit höherer Motivation als Vollzeitbeschäftigte.

Name der Redaktion bekannt

 

Context freut sich über Ihren Leserbrief! Bitte mit Vor- und Nachnamen sowie Wohnort an:

oder an:

Kaufmännischer Verband Schweiz

Context

Postfach 1853

8027 Zürich