Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Kolumne: Bonuszeit

von Carol Franklin

 

In diesen Tagen berechnen die Personalabteilungen gewisser Banken und Versicherungen die Boni der Mitarbeitenden - Boni, die für Geschäftsleitungs- und Direktionsmitglieder in die Millionen gehen können.

Was für ein Menschenbild haben Manager, dass sie davon ausgehen, dass die Hauptmotivation ihrer Mitarbeitenden der Lohn ist? Wenn sie das wirklich glauben, kriegen sie auch solche Angestellte, die nur für Geld arbeiten.

Gute Mitarbeitende aber wollen, dass ihre Arbeit geschätzt wird und dass sie als Individuen weiterkommen. Sie wünschen sich einen Arbeitsgeber, der sich verantwortungsvoll verhält, den Mitarbeitenden, der Umwelt, der Gesellschaft und den Aktionären gegenüber. Dann setzen sie sich ein für ihre Firma und die Firma wird Erfolg haben. Und an diesem Erfolg können die Mitarbeitenden auch finanziell beteiligt sein.

Wir brauchen nicht höhere Boni, wir brauchen bessere Chefs: Vorgesetzte, die mit ihren Mitarbeitenden Ziele vereinbaren, die nicht nur messbar sind, denn Gemessenes ist Vergangenheit und manipulierbar. Wir brauchen integere Führende, die so handeln, wie sie reden, die ihren Mitarbeitenden Unterstützung und Rückendeckung, Entwicklungsmöglichkeiten, Entscheidungsfreiheit und interessante Aufgaben bieten.

Aber der Erfolg, auf dem eine Gewinnbeteiligung fusst, muss langfristig und über die gesamte Firma definiert werden. Denn er hängt nicht von einigen wenigen kurzfristig denkenden Super-Dealern ab, sondern von allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen - auch vom Buchhalter im Backoffice, vom Koch in der Kantine und der Frau, welche die Kaffeemaschine putzt. Wenn wirklich nur ein paar Dutzend Mitarbeiter für den Gewinn verantwortlich sind, was machen denn die anderen jahraus jahrein?

Kurzfristige Bonus-Anreize sind menschenverachtend, denn sie unterstellen den Angestellten reinen Eigennutz. Aber Mitarbeitende wollen ganzheitlich Verantwortung tragen und als mündige Partner ernst genommen werden. Sie brauchen keine Wurst zum Springen.

 

Carol Franklin ist Unternehmerin.

 

Nr. 1/2 | 28. Januar 2008