Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Die Verlierer

Trotz Entspannung auf dem Arbeitsmarkt finden schlecht Qualifizierte kaum Beschäftigung. Ihre Arbeitsplätze sind wohl definitiv abgewandert.

Ende November 2007 vermeldete ein Zusammenschluss der grossen Schweizer Städte, dass sich bei der Sozialhilfe eine Trendwende vollzogen hat. Die Zahlen, die in den letzten Jahren stark angestiegen sind, stagnierten oder sind gar leicht zurückgegangen. Walter Schmid, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, sagt, die Situation auf dem Arbeitsmarkt habe sich auch für jene etwas verbessert, die generell wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, weil sie zum Beispiel keine entsprechende Schulbildung mitbringen. Man dürfe sich aber keine Illusionen machen, «der grosse Teil jener Leute, die keine Arbeit haben und von der Sozialhilfe leben, profitiert nicht von dieser Trendwende».

 

Zu denen, die nicht profitieren, gehören vor allem schlechter qualifizierte Arbeitnehmende. Die Hintergründe für diese Entwicklung sind bekannt: In den letzten Jahrzehnten wurden vor allem Arbeitsstellen für schlecht qualifizierte Arbeitnehmende abgebaut oder ausgela-gert. Diese Stellen werden auch bei einem konjunkturellen Aufschwung  nicht wieder geschaffen, sind sich die Experten einig. Bei der Gruppe der Schlechtqualifizierten sind es vor allem Arbeitnehmende aus Nicht-EU-Staaten und Frauen, die geringere Chancen haben, eine entsprechende Arbeit zu finden, sagt Christin Kehrli, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Caritas Schweiz. Der Arbeitsmarkt ist zweigeteilt, wie mehrere Untersuchungen zeigen. Es gibt die Gruppe, deren Arbeitsstellen längerfristig garantiert und relativ gut entlöhnt sind. Auf der anderen Seite gibt es die prekären Arbeitsplätze, die verbunden mit verschiedenen Unsicherheiten und im Vergleich zur anderen Gruppe schlecht entlöhnt sind. Wer einmal in der zweiten Gruppe gelandet ist, wird kaum mehr in die erste Gruppe wechseln können.

 

Neben den Unqualifizierten, den Ausländerinnen und den Frauen gehörten in den letzten Jahren vor allem die jungen Arbeitnehmenden zu den Verlierer/innen. Sie waren prozentual eher von Arbeitslosigkeit betroffen. Zwar ist der Anteil der Arbeitslosen bei den Jungen immer noch vergleichsweise höher als bei den anderen Altersklassen. Doch: «Die Jungen profitieren glücklicherweise überdurchschnittlich von der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt», sagt Schmid.

 

Kein Armutsrisiko ist heute das Alter. Wer die Pensionsgrenze erreicht hat, kann dank AHV und Ergänzungsleistungen auf eine bescheidene, aber gesicherte Existenz zählen. Wenig von der momentanen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt spüren Menschen mit einer körperlichen oder psychischen Behinderung. Diese bemühen sich immer noch meist vergeblich, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden. yet
 

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Nr. 1/2 | 28. Januar 2008