Context 1/2 2008 | 28. Januar 2008

Ausstellung: Fundstücke aus hundert Jahren Bürogeschichte

«Bürowelten» zeigt anhand von Objekten und deren Geschichten den Wandel des Büros im 20. Jahrhundert.

 

Eine der vielen Trouvaillen ist ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens von 1977: Porträtiert wird Fräulein Oldani. Sie arbeitet als Chefsekretärin in einem Reisebüro. Ihr Arbeitsplatz befindet sich in einem Grossraumbüro, doch zum «umeluege und umestuune» bleibt keine Zeit, denn Fräulein Oldani ist die rechte Hand des Geschäftsleiters und wie es im Kommentar heisst, von ihrer Funktion her vergleichbar mit einem Leutnant. Sie und ihr Vorgesetzter duzen sich, denn sie sind beide Fans des FC Zürich. Diese gemeinsame Vorliebe, so erfahren wir weiter, tut der klaren Rollenteilung zwischen Chef und Sekretärin aber keinen Abbruch. Gefragt, ob sie es richtig finde, dass Frauen im Büro hauptsächlich Anweisungen von männlichen Vorgesetzten befolgen müssten, sagt sie: «Ja, der Mann verfügt einfach über die bessere Führungsgabe als die Frau.»

Im ersten Ausstellungsraum der aktuellen Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur erfahren die Besucher/innen, wie Bürogebäude früher gebaut und möbliert wurden und was sich verändert hat, dokumentiert wird auch die Entwicklung der Kommunikationsmittel. Ein Schaukasten präsentiert die «kleinen Helfer», von denen die meisten heute nicht mehr im Einsatz sind, beispielsweise die Löschpapierwiege oder der Fingerbefeuchter. Und es gibt Bilder von Menschen im Büro. Eine Fotoserie von Chefs in imposanter Umgebung, Bilder von Sekretärinnen, die Karten lochen und solche von heutigen Büronomaden mit dem Laptop unterwegs im Zug oder am Flughafen.

Die Ausstellung bietet auch Raum für einen realen Arbeitsplatz: Das Forschungsteam des Projekts human building® office der Hochschule Luzern - Technik & Architektur nimmt an den «Bürowelten» aktiv teil. Es hat seinen Arbeitsplatz mitten in den Ausstellungsräumen eingerichtet, um in diesem Umfeld verschiedene Bürokonzepte zu überprüfen. Kontakt mit den Besuchern ist erwünscht.

Mit einem Ordner in der Hand, in dem die Objekte und ihre Geschichten dokumentiert sind, können sich die Besucher/-innen durch die Ausstellung führen lassen und Fundstücke aus einem Jahrhundert Bürogeschichte entdecken. Spannend. tj
     

    Nr. 1/2 | 28. Januar 2008