Zuerst und von ganzem Herzen möchte ich Ihnen allen für Ihr Kommen danken und natürlich für Ihre Treue und Solidarität, die Sie dem KV Schweiz seit über 50 Jahren entgegenbringen. In einer schnelllebigen Zeit wie der unsrigen ist dies alles andere als selbstverständlich. Ihre Treue zu unserem Verband zeigt auf, dass es bleibende Werte gibt. Werte, die Bestand haben über sämtliche Veränderungen hinweg.
Vieles hat sich seit Ihrem Eintritt in den Kaufmännischen Verband vor fünfzig Jahren verändert. Einiges ist aber auch gleich geblieben, unter anderem die Zielsetzungen unseres Verbandes. Wir setzen uns ein für soziale Gerechtigkeit und die Interessen der Angestellten, für eine gute Aus- und Weiterbildung, für Toleranz und Respekt auch gegenüber anders Denkenden.
Wir tun dies auf verschiedenen Gebieten, so durch die Einsitznahme in eidgenössischen und kantonalen Kommissionen, durch Stellungnahmen in der Öffentlichkeit, durch Vertragsverhandlungen mit unseren Sozialpartnern und natürlich durch unser starkes Engagement in der Berufsbildung. Und selbstverständlich ist es auch wichtig, wer im Bundesparlament die Interessen unseres Verbandes und seiner Mitglieder vertritt. Der Zentralvorstand hat deshalb - wie vor jeder eidgenössischen Wahl - in enger Zusammenarbeit mit den Sektionen Wahlempfehlungen abgegeben für diejenigen Kandidierenden, die unsere Interessen im Parlament vertreten. 1957, als Sie sich entschlossen haben, dem Kaufmännischen Verband beizutreten, war ein vom Wechsel geprägtes Jahr:
- Vertreter der Benelux-Staaten, Frankreichs, Italiens und Deutschlands unterzeichneten die so genannten Römer Verträge über die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM). Sie legten damit den Grundstein zur späteren Europäischen Gemeinschaft (EU).
- In New York wurde Leonard Bernsteins Musical «West Side Story» zum ersten Mal aufgeführt.
- Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch schrieb seinen wohl berühmtesten Roman «Homo Faber».
- Der Film «Bäckerei Zürrer» des Schweizer Regisseurs Kurt Früh - mit Emil Hegetschweiler in der Hauptrolle - kam in die Kinos.
- Nach dem Volksaufstand in Ungarn gegen die russische Fremdherrschaft kamen insgesamt 12 000 ungarische Flüchtlinge in unser Land.
Heute leben wir in einem Land, das bezüglich materiellem Wohlstand viel besser dasteht als vor 50 Jahren. Der Wohlstand aber ist keine Selbstverständlichkeit. Er muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Und ebenso klar ist, dass wir diesen Wohlstand nur dann behalten können, wenn wir Grundwerte nicht über Bord werfen, sondern weiterhin pflegen und lebendig halten. Grundwerte wie Tüchtigkeit, soziale Gerechtigkeit und lebenslanges Lernen. Werte also, für die der KV Schweiz seit über 100 Jahren einsteht. Sie alle, die hier sind, haben durch Ihre Solidarität zu unserem Verband bewiesen, dass Sie zu diesen Grundwerten stehen. Dies ist alles andere als selbstverständlich. Ich danke Ihnen dafür sehr herzlich. Ich bin jetzt seit rund 18 Monaten Präsident des KV Schweiz. Und ich bin sehr stolz, diese Organisation führen zu dürfen. Der KV Schweiz ist seit seiner Gründung im Jahre 1873 ein zentraler und sicherer Wert im Berufsbildungssystem dieses Landes. Wir stehen zur dualen Berufsausbildung. Wir setzen uns für sie ein und dies nicht nur mit schönen Worten und Sonntagsreden - wir engagieren uns täglich für sie! Der KV ist der wichtigste Bildungsverband in diesem Land. Wir nehmen eine zentrale Position in der Aus- und Weiterbildung ein und leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des wirtschaftlichen Wandels.
Ich bin davon überzeugt, dass es in der Schweiz einen starken KV in bester Verfassung braucht, der sich für die Anliegen der Angestellten engagiert. Wir wollen uns dabei nicht in Abgrenzung zu anderen Organisationen positionieren, sondern wir wollen definieren, welches die Interessen der von uns vertretenen Angestellten sind. Ganz selbstverständlich werden wir zur Wahrnehmung dieser Interessen auch die Zusammenarbeit mit all denjenigen suchen, die unsere Ziele teilen. Der KV Schweiz wird dabei weiterhin ein verlässlicher Partner sein, der zur Sozialpartnerschaft steht. Entgegen anders lautender Behauptungen profitieren von einer stabilen und verlässlichen Sozialpartnerschaft nämlich alle: die Angestellten, die Sozialpartner und die Gesamtwirtschaft. Zu einer guten Sozialpartnerschaft braucht es aber selbstverständlich immer zwei. Deshalb ist es wichtig, dass die Lohnexzesse in den Teppichetagen - die häufig zu Lasten der kleineren und mittleren Einkommen gehen - endlich gestoppt werden. Der KV Schweiz lebt mit und von seinen Sektionen und von seinen Mitgliedern, also vor allem von Ihnen! Der KV Schweiz muss sowohl bildungs- wie auch angestelltenpolitisch die Federführung bei der Interessenvertretung der Angestellten innehaben. Wir werden deshalb auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der schweizerischen Berufsbildungslandschaft einnehmen. Unsere Rolle im Bologna-Prozess mit der internationalen Anerkennung von Fachausweisen und Diplomen muss eine führende sein. Die Dienstleistungen unseres Verbandes müssen und werden trotz vieler Sparbemühungen weiterhin sehr gut sein. Unsere Medienpräsenz in den vergangenen Monaten war gut. Wir wollen sie noch verstärken. Dies einige meiner Ziele als Präsident Ihres Verbandes. Eine solche Organisation zu führen und den Interessen der Angestellten noch mehr Gehör zu verschaffen, ist eine grosse Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe. Ich kann diese Herausforderung nur mit Ihrer Hilfe meistern. Und ich bin deshalb froh, auch in Zukunft auf Ihre Unterstützung zählen zu dürfen!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen Gesundheit, Tatkraft und Zuversicht und danke Ihnen nochmals ganz herzlich für Ihre Treue. Mario Fehr





