Context: Der Ständerat hat für die Jahre 2008-2011 über 20 Milliarden für die Bildung bewilligt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Mario Fehr: Es ist ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Ständerat hat klar signalisiert, dass es in der Bildung mehr Geld braucht. Denn unser Umfeld schläft nicht: Wenn wir in den nächsten Jahren hier nicht zusätzlich investieren, geraten wir gegenüber anderen Staaten ins Hintertreffen. Erfreulich ist, dass die Berufsbildung und die Fachhochschulen überdurchschnittlich mehr Mittel erhalten.
Werden die Gelder in der nächsten Sparrunde nicht einfach wieder zusammengestrichen, wie es in den letzten Jahren passierte?
Das glaube ich nicht. Zum einen ist die Finanzlage des Bundes heute besser als noch vor einem Jahr. Ausserdem besteht ein breiter Konsens, dass die Bildung bei künftigen Sparprogrammen ausgenommen werden soll.
Im internationalen Vergleich steht die Schweiz mit ihren Bildungsausgaben nicht schlecht da. Weshalb sollte sie ins Hintertreffen geraten?
Die meisten EU-Länder haben ihre Mittel für die Bildung deutlich mehr erhöht als die Schweiz. Kommt hinzu, dass wir einen Teil der Bildungsmittel dafür verwenden, neue Berufsfelder zu integrieren: zum Beispiel die Sozial- und Gesundheitsberufe. Deshalb ist das reale Wachstum eigentlich deutlich unter sechs Prozent, und es ist das absolute Minimum dessen, was bildungspolitisch überhaupt zu verantworten ist.
Neben der Höhe der Gelder wird auch immer wieder über die Verteilung gestritten. Ist der aktuelle Verteilschlüssel richtig?
Dieser Verteilschlüssel ist sinnvoll. Einige Bereiche haben einen stärkeren Zuwachs als andere erhalten, so etwa die Berufsbildung und die Fachhochschulen mit einer Steigerung von 8,7 respektive 7,8 Prozent. Hier besteht ja auch der grösste Nachholbedarf.
Sie fordern in einem Vorstoss, dass der Bund ab nächstem Jahr die Berufsbildung mit 25 Prozent unterstützt, so wie es im Gesetz steht. Ist dies mit den gesprochenen Mitteln möglich?
Nein. Es steht zwar für die Berufsbildung jetzt mehr Geld zur Verfügung, aber letztlich reicht es immer noch nicht aus, um die gesetzlichen Richtlinien einzuhalten. Deshalb braucht es hier weiterhin politischen Druck.
Die Fachhochschulen forderten zusätzliche 200 Millionen Franken. Bundesrätin Doris Leuthard spricht davon, dass die Fachhochschulen mit mehr Effizienz das nötige Geld hereinholen sollen. Sind die Fachhochschulen ineffizient?
Die Fachhochschulen sind nicht ineffizient. Aber selbstverständlich müssen sich alle Bildungsakteure darum bemühen, mit den vorhandenen Mitteln möglichst viel zu bewirken. Der Wunsch der Fachhochschulen nach mehr finanziellen Mitteln ist aber sicher berechtigt. Der Ständerat ist diesem Begehren nur deshalb nicht nachgekommen, weil man sonst auch andere Wünsche hätte aufnehmen müssen. Und dann wäre der Kompromiss als Ganzer nicht mehr getragen worden. Wir werden uns aber auch in Zukunft für noch mehr Mittel für die Fachhochschulen und die Berufsbildung engagieren. Diese braucht es nach wie vor dringend.





