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Context 12/07 vom 15. Juni 2007
FOKUS
Nicht überrascht
Für Benedikt Gschwind, Leiter Luftverkehr beim KV Schweiz, kamen die Freisprüche im Swissair-Prozess nicht überraschend.
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Context: Die Empörung über die Freisprüche im Swissair-Prozess war gross. Können Sie das nachvollziehen? Benedikt Gschwind: Ja, ich kann das sehr gut verstehen. Der Niedergang der Swissair war nicht nur für die Betroffenen, sondern für das ganze Land ein Schock, und die Menschen erhofften sich von diesem Prozess Klärung. Ich selber bin über den Ausgang allerdings nicht besonders überrascht.
Warum? In Bülach fand ein Strafrechtsprozess statt. Es ging nicht darum herauszufinden, wer welche Schuld am Niedergang trägt, sondern nur, ob die involvierten Personen Straftaten wie beispielsweise Urkundenfälschung begangen haben. In der öffent lichen Wahrnehmung wurde das aber ausgeblendet. Die Freisprüche bedeuten auch nicht, dass die angeklagten Manager und Verwaltungsräte nichts falsch gemacht hätten, sondern lediglich, dass ihnen keine Straftaten nachgewiesen werden konnten. Über die Frage der Verantwortlichkeit werden zu einem späteren Zeitpunkt Zivilgerichte entscheiden.
Neben den Freisprüchen empörten vor allem auch die hohen Entschädigungszahlungen an die Angeklagten. Auch das ist nachvollziehbar. Aber wenn jemand als unschuldig im Sinne der Anklage gilt, hat er ein Recht darauf, Prozesskosten entschädigt zu bekommen. Das Gericht hat in dieser Frage keinen Ermessensspielraum.
Politiker verschiedener Couleur gehen mit dem Gericht nicht so pfleglich um wie Sie. Ich finde diese Schelte falsch. Die Gewaltentrennung ist ein wertvolles Gut in unserem Land. Ein Gericht darf sich nicht dem Druck der öffentlichen Meinung beugen.
Also war die Entscheidung der Bülacher Richter richtig? Das kann ich nicht beurteilen. Aber wenn die Staatsanwaltschaft zum Schluss kommt, das Gericht habe falsch entschieden, kann sie den Fall an die nächste Instanz weiterziehen. Das ist der Weg, wie unser Rechtsstaat funktioniert, auch wenn das im vorliegenden Fall nicht von allen verstanden wird.
Wie reagierte das Personal des Luftverkehrs auf die Urteilsverkündung? Es war natürlich das Thema in den Pausen und Gängen am Tag der Urteilsverkündung. Viele reagierten mit Unverständnis, vor allem wegen den hohen Prozessentschädigungen für die Angeklagten. Die ehemaligen Swissairangestellten, die heute bei der Swiss tätig sind, mussten 2002 erhebliche Lohneinbussen in Kauf nehmen. Sie mussten bluten, während das fehlbare Management grosszügig entschädigt wird.
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Lehrstellen
Akuter Mangel
Nach wie vor ist die Lage auf dem Lehrstellenmarkt in der Schweiz sehr angespannt. Zu diesem Befund kommt das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie in seiner jüngsten Medienmitteilung zum Thema. Gemäss der monatlichen Umfrage bei den Kantonen zeichnen sich per Ende Mai im Weiteren folgende Tendenzen ab:
- Das Lehrstellenangebot in den verschiedenen Berufsbereichen entspricht nicht immer der Nachfrage, - es fehlt weiterhin an Lehrstellen im niederschwelligen Bereich, - Personen mit schulischen oder sozialen Schwierigkeiten haben nach wie vor grosse Mühe, eine Lehrstelle zu finden.
Bundesweite Zahlen zur Lehrstellensituation liegen zurzeit zwar keine vor. Einzelne Kantone hingegen haben ihre Zahlen offengelegt, und diese zeichnen tatsächlich ein eher düsteres Bild. Zum Beispiel Zürich: Dort haben gemäss letzter Befragung Ende März 52 Prozent derjenigen, die dieses Jahr die obligatorische Schule oder das 10. Schuljahr beendeten, eine Lehrstelle gefunden. 8 Prozent werden eine Mittelschule besuchen und 21 Prozent fanden eine Zwischenlösung wie das 10. Schuljahr oder einen Sprachaufenthalt. 18,5 Prozent standen zum Erhebungszeitpunkt noch immer ohne Anschlusslösung da. Besonders stark betroffen von mangelnden Perspektiven sind schulleistungsschwache Jugendliche aus der Sek C oder aus Sonderschulen: 42 Prozent von ihnen hatten zum Erhebungszeitpunkt noch keine Anschlusslösung.
Dass die Situation noch immer so angespannt ist, kann nicht allein den Arbeitgebern angelastet werden, sagt Ralf Margreiter, Leiter des Ressorts Jugend beim KV Schweiz: «Verschiedene grössere Betriebe wie beispielsweise Coop, aber auch die öffentliche Hand bieten zum Teil deutlich mehr Lehrstellen an. Die Wirkung verpufft jedoch, weil die Zahl der Schulabgänger nach wie vor steigt. Und bei innovativen Ausbildungsformen wie Lehrbetriebsverbünden geschieht nach wie vor zu wenig.»
Die demografische Situation wird sich wohl erst in einigen Jahren entspannen, wenn geburtenschwache Jahrgänge ins erwerbsfähige Alter rutschen und die Überhänge aus den Zwischenlösungen abgebaut sie sind. Von einer Entspannung könne man aber auch dann noch nicht reden, so Margreiter: «Es fehlen vor allem Angebote im Bereich Attestausbildungen. Wenn wir nicht Gegensteuer geben, laufen wir Gefahr, dass eine ganze soziale Schicht den Anschluss ans Berufsleben verpasst.» Auch sei im kaufmännischen Bereich das B-Profil noch immer viel zu wenig verankert.
Temporärarbeit
Mehr als die Hälfte unfreiwillig
Jeden Tag sind rund 58 000 Angestellte im Einsatz, die eine Temporärstelle haben, das sind fast zwei Prozent aller Arbeitnehmenden. Rund ein Viertel der temporär Arbeitenden hat keine Berufsbildung, knapp zwei Drittel verfügen über einen Lehrabschluss oder eine höhere Ausbildung. Dies zeigt eine Studie, die von Swissstaffing, dem Verband der Personaldienstleister der Schweiz, in Auftrag gegeben wurde. Die befragten Einsatzbetriebe übernehmen im Durchschnitt 16 Prozent der temporär Arbeitenden als Festangestellte. Das heisst, jeder sechste, der einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag hat, erhält später eine Festanstellung. Knapp 40 Prozent der temporär Beschäftigten entscheiden sich bewusst für diese Arbeitsform. Rund 60 Prozent hingegen nehmen eine Temporärarbeit an, weil sie keine andere Stelle gefunden haben und weil sie hoffen, später im Betrieb fest angestellt zu werden.
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