Context 12/07 15. Juni 2007

Wir alle sind der KV

An seinem Angestelltenkongress wählte der KV Schweiz fünf neue Mitglieder in den Zentralvorstand und verabschiedete eine Resolution für die Förderung von Weiterbildung.

Text: Therese Jäggi und Lukas Kistler

 

«Thun ist eine wunderschöne Stadt.» Mit diesem Kompliment an die Gastgeber eröffnete der Zentralpräsident Mario Fehr vor 116 Delegierten die Versammlung am 9. Juni in Thun. Fehr ging in seiner Rede zunächst auf den Stellenwert von Bildung ein. Der KV Schweiz könne stolz sein, dass er die kaufmännische Grundausbildung erfunden habe und diese seit 20 Jahren die beliebteste Lehre ist. Der Verband sollte sich bei den Arbeitgebern dafür stark machen, dass sie weiterhin im bisherigen Rahmen Lehrstellen anbieten. Er betonte, wie wichtig es sei, dass Bundesbern grosszügig in Bildung investiere. «Das europäische Umfeld schläft nicht.»


«Unsere kooperative Art wird von den Arbeitgebern geschätzt», stellte der Zentralpräsident bezüglich der Angestelltenpolitik fest. Sozialpartnerschaft setze aber auch eine Dialogbereitschaft bei den Arbeitgebern voraus. Es sei wünschenswert, in Zukunft vermehrt mit den Banken und Versicherungen einen Dialog zu führen. Fehr wies darauf hin, dass die Mehrheit der KV- Mitglieder weiblich ist. Diese Tatsache sollte in der Politik des Verbandes zum Ausdruck kommen.

 

Mario Fehr dankte dem Zentralvorstand, allen Mitarbeitenden in den Sektionen und Regionen, dem Generalsekretär und den Mitarbeitenden auf dem Zentralsekretariat für ihre Arbeit. «Wir alle sind der KV», sagte er.

 

Weichen für die nächsten vier Jahre

Sascha Burkhalter, Präsident der gastgebenden Sektion, bezeichnete den KV Berner Oberland - hervorgegangen aus den Sek-tionen Thun, Spiez, Interlaken-Oberhasli - als junge KV-Region, die auf eine lange Vereinsgeschichte zurückblickt und auf solidem Fundament steht. Er dankte dem Organisationskomitee, namentlich der Geschäftsführerin Ursulina Huder, für das grosse Engagement im Vorfeld des Angestelltenkongresses (AK).


Nach einer musikalischen Einlage der a-cappella-Formation «Garniture» aus Interlaken, in deren Liedern die Schönheit der Berner-Oberländer-Mundart wie der Berner-Oberländer-Landschaft gleichermassen zur Geltung kamen, überbrachte der Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher die Grüsse des Regierungsrates und plädierte in seinem Referat für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.


Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT, stellte in ihrem Referat die Frage nach den «Herausforderungen für die kaufmännische Berufsbildung in der Zukunft». Die Schweiz verfüge über ein absolut durchlässiges Bildungssystem, welches die Mobilitätschancen ausserhalb des Erstberufs erhöhe. Sie forderte einen nachobligatorischen Abschluss für alle. Bezüglich der höheren Berufsbildung meinte Ursula Renold, dass diese im nationalen und internationalen Kontext gestärkt werden müsse. Sie forderte die Bildungsverantwortlichen des KV auf: «Mischen Sie sich hier ein.» Sie stehe dem KV gerne für einen Dialog zur Verfügung.


Nach den routinemässigen ersten Traktanden erhob sich die Versammlung zu Ehren der verstorbenen Mitglieder Verena Fischer (ZV-Mitglied), Richard Maier-Neff (Ehrenpräsident), Peter Klein (Ehren-mitglied) und Hermann K. Martin (Ehrenmitglied).

 

Genügend Zeit für Anträge

Dann standen die Anträge des KV Ost zur Diskussion. Die beiden ersten Anträge «Obligatorium Krankentaggeldversicherung für Arbeitnehmende» und «Steuerabzug für Aus- und Weiterbildungskosten von Arbeitnehmenden» nehme man gerne entgegen, sagte Mario Fehr. Zum dritten Antrag «Zeitpunkt der Veröffentlichung Jahresbericht und Jahresrechnung» meinte Wolfgang Brunner, Geschäftsführer des KV Ost, dass man mit der gegenwärtigen Regelung aus zeitlichen Gründen keine Anträge an den AK mehr formulieren könne, die sich aus Fragen zum Jahresbericht und der Jahresrechnung ergeben. Der Finanzdelegierte Urs Marti entgegnete, dass Interessierten Einsicht in die Manuskripte gewährt werde, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo man noch Anträge an die DV einreichen könne. Mit dieser Auskunft gab sich Wolfgang Brunner zufrieden und zog den Antrag zurück.


Anschliessend präsentierte Urs Marti den Geschäftsbericht und die Jahresrechnung 2006. Auf dem Weg zur Gesundung der finanziellen Situation seien die von ihm vorgelegten Zahlen ein «ausgesprochen gutes Zwischenergebnis». Sehr erfreulich sei, dass das Schweizerische Institut für Betriebsökonomie SIB den Turnaround geschafft und damit einen wesentlichen Beitrag zum Ergebnis beigetragen habe. Zur Bilanz räumte Marti ein, dass die Liquidität «nicht sehr gut» sei, dies im Gegensatz zur Substanz von neun Millionen Franken Eigenkapital. Insgesamt schloss die Rechnung mit einem Defizit von CHF 310 000 deutlich besser ab als das Budget. Die Versammlung ak-zeptierte die Jahresrechnung und erteilte die Décharge.

 

Vor dem Mittagessen wurden die abtretenden ZV-Mitglieder Paul Breitschmid (Angestelltenpolitik) und Laurent Comte (Vizpräsident und Ressort Jugend) zu Ehrenmitgliedern gewählt.

 

«Gärtlidenken muss weg»

Der Generalsekretär, Edi Class, äusserte sich zuerst zur finanziellen Situation. Auf die roten Zahlen von 2004 habe der Verband mit Sparmassnahmen reagiert, wodurch die Geschäftsststelle in Zürich eine halbe Million Franken einsparen konnte. Für das laufende Jahr rechnet der KV-Schweiz-Chef mit «einer schwarzen Null» und fürs nächste Jahr werde der Turnaround angestrebt. Ziel sei es, jährlich jeweils eine halbe Million Franken Gewinn zu erwirtschaften. Zweiter Schwerpunkt seiner Rede war die Regionalisierungspolitik. Regionen müssen gewisse Leistungen gewährleisten: In jeder Region sollen Mitglieder Zugang zu vollamtlichen Geschäftsstellen haben und überall dieselben Dienstleistungen beanspruchen können.In seinen Ausführungen zur Bildung stellte der Generalsekretär fest, dass kaufmännische Schulen föderalistisch geführt werden und ein uneinheitliches Lehrangebot machen. Oft seien die Sektionen nicht als Träger der Schulen erkennbar, bedauerte er. Er sei überzeugt, so Class, dass die kaufmännischen Schulen zusammenarbeiten müssen. Die gegenwärtigen Vorteile des Verbands - etwa der Verlag SKV oder die Abteilung Berufsbildung als grösster Prüfungsanbieter - seien gute Voraussetzungen. Aber eben: «Das Gärtlidenken in Schule und Gremien muss der Vergangenheit angehören!» Für den vierten Teil zur IT übernahm Rolf Trechsel, Zentralsekretär und Leiter Kommunikation und Marketing, das Wort. Er präsentierte den künftigen Internet-Auftritt des Verbands, insbesondere die Möglichkeit für Mitglieder und Sektionen, Mitgliederdaten zu verwalten und zu ergänzen.

Der Finanzdelegierte, Urs Marti, präsentierte den Delegierten nach der Hochrechnung für das laufende Jahr das Budget für das nächste. Ein kleiner Gewinn von rund 50 000 Franken soll resultieren. Der AK genehmigte das Budget 2008 und nahm das Budget für 2009 zur Kenntnis.

 

Fünf Sitze neu besetzt
Auf das Ende des Angestelltenkongresses hin war der Höhepunkt traktandiert: die Wahl des Zentralvorstands des KV Schweiz. Der Wahl zu stellen hatten sich die drei bis­herigen Mitglieder Valerio Agustoni, Bruno Schmid und Urs Marti, nicht aber der letztes Jahr zum Präsidenten gewählte Mario Fehr. Zudem waren aufgrund der Rücktritte von Paul Breitschmid, Laurent Comte, Peter Fischer und Rico Campregher sowie wegen des Tods von Verena Fischer fünf Sitze frei­geworden. Die Delegierten bestätigten die drei Bisherigen und wählten die neu Nomi­nierten Hans Hildbrand, Sascha Burkhalter, Stefan Keller, Christian Freymond und Gabriela Brauchli. Die Wahlperiode ist auf vier Jahre angelegt.

 

Resolution

Endlich Nägel mit Köpfen bei der Weiterbildungsförderung

Der Angestelltenkongress verabschiede­te eine Resolution zur Förderung der Weiterbildung.*

Eine konkurrenzfähige Wirtschaft braucht die Fähigkeiten aller. Arbeitnehmende sollten re­gelmässig ihre Kompetenzen auffrischen und erweitern. Kaufmännische fordert deshalb ein Recht auf jährlich mindestens fünf Tage Weiterbildung für Angestellte. Eine ent­sprechende Pflicht der Arbeitgeber, die Weiter­bildungszeit als Arbeitszeit zu bezahlen, soll gesetzlich festgeschrieben werden.

ine weitere wichtige Massnahme zur För­derung der Weiterbildung sieht der Kaufmän­nische Verband in der steuerlichen Begünsti­gung der Weiterbildungsausgaben. Nach wie vor werden die Bemühungen von Erwerbstäti­gen, sich beruflich aus- und weiterzubilden, in sehr vielen Fällen steuerlich erschwert. Weiter­bildungen werden häufig als Berufsaufstiegs- oder als Umschulungskosten interpretiert und als Abzug nicht akzeptiert.

ngesichts der Tatsache, dass die meisten universitären Ausbildungsgänge durch den Staat weitgehend finanziert werden, ist es nichts als billig, wenn Berufsbildungskosten zumindest steuerlich abzugsfähig sind. Der KVSchweiz ruft deshalb Bund und Kantone auf, die berufliche Weiterbildung steuerlich zu be­günstigen und auf die Vorgaben des Berufsbil­dungsgesetzes auszurichten.
*Gekürzte Fassung

 

Ämterverteilung

Präsident: Mario Fehr
Vizepräsident: Christian Freymond
Berufsbildungskommission: Valerio Agustoni (Präsident) / Christian Freymond / Stefan Keller
Marketingkommission: Hans Hildbrand / Vera Bachmann (Co-Präsident)
Angestellten- und Gleichstellungskommission: Gabriela Brauchli (Präsidentin)
Finanzkommission: Urs Marti (Präsident bis Ende 2007) / Sascha Burkhalter
(Präsident ab 2008) / Bruno Schmid
Jugendkommission: Stefan Keller (Präsident) / Gabriela Brauchli