Context 23-24 / 07 7. Dezember 2007

Viel profitiert

Dass er Mitstudierende aus allen möglichen Branchen ken-nenlernte, war für Georges Ulrich etwas vom Spannendsten an seinem MB A-Studium.

Text: Therese Jäggi 
 

«Ich habe viel profitiert, am meisten wohl mit einer guten Geschäftsidee», so fasst Georges Ulrich (Bild) rückblickend sein MBA-Studium zusammen. Ulrich ist Geschäftsführer des Zürcher Forschungsinstituts «gfs-befragungsdienst», einer auf Markt- und Meinungsforschung spezialisierten Firma. In den letzten Jahren wurden die Arbeitsplätze der von gfs beschäftigten Angestellten dezentralisiert, das heisst sie arbeiten von zu Hause aus und übermitteln die aus den Interviews gewonnenen Daten über Internet an den Firmensitz. «So konnten wir am Firmensitz die Fixkosten senken. » Dort sind noch 20 Mitarbeitende tätig, während rund 400 Mitarbeitende von ihrem Home-Office aus arbeiten.

Der 39-jährige Ulrich hat seinen MBATitel vor zwei Jahren an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich erworben. Als er sich Dass er Mitstudierende aus allen möglichen Branchen kennenlernte, war für Georges Ulrich etwas vom Spannendsten an seinem MBA-Studium. zu einem Studium entschloss, war er bereits Geschäftsführer, und es war absehbar, dass er in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen würde. «Als ich realisierte, wie viele MBA-Anbieter es gab, war ich zunächst komplett überfordert», sagt Georges Ulrich. Er wollte einen akademischen Titel erwerben. Dieser musste international und gemäss Bologna-Deklaration anerkannt sein. Zudem sollte das MBA-Studium berufsbegleitend zu absolvieren sein. Seine Wahl fiel auf die HWZ, nicht nur weil sie diese drei Kriterien erfüllte, sondern weil Ulrich zuvor an dieser Schule einen Bachelor-Titel in Betriebsökonomie erworben hatte. Unmittelbar nach Abschluss des MBA-Studiums trat er dem Verwaltungsrat seiner Firma bei.

Was er an der HWZ besonders schätzte, war der Praxisbezug. «Vieles, was ich im Unterricht kennenlernte, konnte ich unmittelbar im Unternehmen einbringen.» Etwas vom Spannendsten fand er, dass in seinem Lehrgang Mitstudierende aus allen möglichen Branchen vertreten waren. Zu diesen pflegt er auch heute noch Kontakt, ist Teil eines Netzwerks, in dem es üblich ist, dass man sich im beruflichen Alltag auch einmal mit einer Frage an einen ehemaligen Mitstudenten wenden kann. 

Während des Studiums arbeitete Georges Ulrich 70 oder 80 Stunden pro Woche. Freizeit gab es praktisch nicht mehr. «Das Privatleben gerät stark unter Druck, man muss das gut mit seinem Umfeld absprechen.» Der MBA-Titel ist für ihn noch lange kein Grund, sich auszuruhen. Unmittelbar nach Abschluss hat er mit einer Dissertation zum Themenfeld «Stakeholder Management» angefangen. Er hofft, diese in etwa zwei Jahren abzuschliessen.

 

«Nicht jeder wird CEO einer Grossbank»

Ein MBA-Titel ist mehr als ein Karriereinstrument, ist Walter Kuhn, Lehrgangsleiter MBA an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, überzeugt.

Inerview: Therese Jäggi

 

Context: Herr Kuhn, wer einen MBA-Titel erwerben will, ist mit Dutzenden von Anbietern konfrontiert. Wie kann man sich orientieren? Walter Kuhn: Zunächst ist wichtig, dass sich ein Interessent überlegt, wo er in fünf Jahren beruflich stehen will, und darüber hinaus vielleicht auch, wie er einmal auf sein Leben zurückblicken möchte. Bei einem MBA-Titel handelt es sich meiner Meinung nach um mehr als ein reines Karriereinstrument. Auch wenn es nach Abschluss nicht unmittelbar einen Karriereschritt weitergeht, kann jemand auch im Sinne einer Persönlichkeitsbildung von einem MBA-Studium profitieren.

 

Bei den Preisen gibt es enorme Unterschiede. Ein Studium kann bis zu 100 000 Franken kosten. Wer so viel Geld investiert, befindet sich oft schon weit oben auf der Karriereleiter und geht davon aus, dass er diese Ausgabe in  absehbarer Zeit mit einem beträchtlichen Gehaltszuwachs wird kompensieren können. Nur: Nicht jeder kann CEO einer Grossbank werden oder eine ähnliche Position erreichen. Bei der Mehrzahl der Studierenden geht es um einen Karriereschritt auf der unteren oder mittleren Kaderstufe. An diese richtet sich auch die HWZ.

 

 Wie wichtig ist das Renommee einer Schule? Es spielt sicher eine Rolle. Die HWZ selbst hat einen ausgezeichneten Ruf, insbesondere im Grossraum Zürich. Bei der Frage zum Renommee darf man nicht vergessen, dass in den Grundzügen überall mit Wasser gekocht wird, selbst an renommierteren Universitäten. Betriebsökonomie kann man nicht neu erfinden, nur unterschiedlich interpretieren und gewichten.

Wie viele Studierende belegen an der HWZ einen Lehrgang? Momentan 18, im Durchschnitt sind es zwischen 15 bis 25. Das halte ich für eine gute Grösse. Sie ermöglicht eine aktive Teilnahme der Studierenden und einen regen Austausch untereinander.

 

In den Rankings tauchen Schweizer MBAAnbieter praktisch nicht auf. Warum? Anbieter im deutschsprachigen Raum tauchen dort generell seltener auf. Die Rankings werden oft von US-amerikanischen Wirtschaftszeitungen gemacht. Das ist sozusagen eine Welt für sich, und für kleinere Hochschulen ist es sehr schwierig, dort überhaupt wahrgenommen zu werden. Auch staatliche Universitäten kommen in diesen Rankings oft nicht vor, unabhängig von ihrer Qualität. Viele wie beispielsweise auch die HWZ verfügen über eine eigene Qualitätssicherung, andere über eine staatliche.

 

Die HWZ bietet in Zusammenarbeit mit der University of Southern Queensland in Australien ein Dual-Degree-MBA-Studium an. Was bringt diese Zusammenarbeit den Studierenden? Sie bietet die Chance, in der Schweiz ein englischsprachiges Studium mit MBA-Abschluss und einer internationalen Ausrichtung zu absolvieren. Ausserdem bietet das Studium die Option, vier Monate an der Universität in queensleand zu verbringen

 

MBA – Qual der Wahl

Wer sich für ein MBA-Programm interessiert, steht schon lange vor Studienbeginn vor einer schwierigen Aufgabe: der Wahl des richtigen Studiengangs. Allein in der Schweiz gibt es gegen 100 Angebote, international belaufen sich die Programme in die Tausende. Hier den Überblick zu wahren, ist nicht ganz einfach. Die Beachtung folgender Punkte kann aber helfen, das Angebot einzugrenzen:

 

  • Renommee MBA ist nicht gleich MBA. Angesichts des riesigen Angebots publizieren verschiedene internationale Wirtschaftszeitungen (u.a. Financial Times, Wall Street Journal) Rankings, in denen vereinzelt auch Schweizer Anbieter auftauchen. Wer sich sehr hohe Karriereziele setzt oder eine internationale Karriere anstrebt, ist gut beraten, das Renommee der anbietenden Schule in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. In der Regel geniessen akademische Abschlüsse – diese werden oft auch von Fachhochschulen oder privaten Anbietern in Zusammenarbeit mit Universitäten angeboten – ein höheres Ansehen. Eine Grundlage, um die internationale Strahlkraft eines Titels abzuschätzen, ist die Zertifizierung. AACBS, AMBA und EQUIS sind international die bedeutendsten Zertifikate.
  • Zulassungsbedingungen Für die meisten MBA-Programme in der Schweiz sind ein Abschluss an einer Fachhochschule oder Universität sowie mehrjährige Management-Erfahrung Grundvoraussetzung für eine Zulassung. In der Regel stehen universitäre Programme auch den Absolvent/innen von Fachhochschulen offen. Vereinzelt reichen auf Anfrage auch Abschlüsse an höheren Fachschulen oder höhere Berufsprüfungen für eine Anerkennung aus. Einige Anbieter behalten sich vor, die Interessent/ innen einem eigentlichen Bewerbungsverfahren mit Prüfung und/oder Vorstellungsgespräch zu unterziehen.
  • Unterrichtssprache Vor allem die Fachhochschulen bieten zum Teil MBA-Studiengänge an, bei denen die Unterrichtssprache vorwiegend Deutsch ist. Ein grosser Teil der Studiengänge wird aber in Englisch durchgeführt, vor allem dann, wenn mit einer internationalen Partneruniversität zusammengearbeitet wird. Gewisse Schulen überlassen es der Verantwortung der Studierenden, sich die dafür nötigen Sprachkenntnisse anzueignen, andere verlangen ein Sprachzertifikat.
  • Zielpublikum Grosse Unterschiede gibt es auch bei den Vertiefungsrichtungen. Während die MBA-Ausbildungen ursprünglich generalistisch orientiert und klar auf eine höhere Führungsfunktion ausgerichtet waren, werden heute immer mehr branchen- und fachspezi- MBA – Qual der Wahl fische Titel angeboten. Auch die Zusammensetzung der Kursteilnehmenden ist von Programm zu Programm unterschiedlich. Viele Angebote richten sich nicht mehr primär an ein betriebswirtschaftlich ausgebildetes Publikum, sondern an Branchenfremde wie beispielsweise Wissenschafter/innen, die eine Management- Laufbahn einschlagen wollen.
  • Kosten und Dauer Die Preise der in der Schweiz angebotenen MB A-Weiterbildungen variieren zwischen ca. 15 000 Franken und 100 000 Franken, die Ausbildungsdauer zwischen einem und drei Jahren. Die meisten Programme lassen sich berufsbegleitend absolvieren, der Unterricht findet entweder in Blöcken oder an wiederkehrenden Wochentagen statt. Vereinzelt werden auch Vollzeit- Studiengänge angeboten. ibo  Einen guten (wenn auch nicht vollständigen) Überblick über die in der Schweiz angebotenen MBA-Programme bietet: