Context 11 / 2007 | 1. Juni 2007

Öffnung auf Probe

Am 1. Juni gehen die Grenzen für Erwerbstätige aus den 15 alten EU-Ländern ganz auf. Arbeitnehmerorganisationen und das Seco blicken der erweiterten Öffnung mit Gelassenheit entgegen.
Text: Ingo Boltshauser, Yvonne Leibundgut

Jedes Mal, wenn die Schweiz die Tür zur EU ein bisschen weiter aufgestossen hat, wurden bisher Ängste wach. Das war im Vorfeld der Abstimmung über die bilateralen Verträge am 21. Mai 2000 so, als die öffentliche Diskussion von Befürchtungen über Massenzuwanderung, steigende Arbeitslosigkeit und Lohndumping dominiert wurde. Das wiederholte sich, als die bilateralen Abkommen 2004 in die zweite Phase traten. Und das erlebte einen Höhepunkt, als im Jahr 2005 die Abstimmung über die Osterweiterung auf der Traktandenliste stand.

 

Nur dieses Mal ist es erstaunlich ruhig geblieben. Dabei geht die Tür am 1. Juni gegenüber den 15 alten EU-Ländern erstmals ganz auf. Reglementierten bislang noch Kontingente den Zustrom auf den hiesigen Arbeitsmarkt, so ist es ab jetzt jedem Bürger aus diesen Ländern gestattet, ohne Einschränkungen Arbeit in der Schweiz anzunehmen. Lediglich wenn von dieser Freiheit allzu stark Gebrauch gemacht wird, hat der Bundesrat in einem Jahr die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen und wieder Kontingente einzuführen «Schweiz und Europa - der Fahrplan».

 

Die Ruhe erstaunt nicht, denn die bisherigen Erfahrungen mit der Personenfreizügigkeit sind fast durchs Band positiv. Die Arbeitslosigkeit ist im Gegensatz zu entsprechenden Befürchtungen nicht gestiegen, und auch bei der Lohnentwicklung lassen sich keine Auswirkungen des Frei zügigkeitsabkommens feststellen. «Unsere Erhebungen zeigen, dass es bei Branchen mit erhöhter Zuwanderung sowohl überdurchschnittliche als auch unterdurchschnittliche Lohnentwicklungen gegeben hat», sagt Peter Gasser von der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Und auch bei den so genannten tripartiten Kommissionen, in denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen zusammen mit der öffentlichen Hand darüber wachen, dass die ortsüblichen Löhne nicht unterboten werden, sei es «nur zu wenigen Beanstandungen» gekommen. «Die flankierenden Massnahmen hatten offenbar einen wirksamen präventiven Charakter», sagt Gasser.

 

Deutsche vorn

Insgesamt kamen im Jahr 2006 inklusive Familiennachzug 57 000 Personen aus den 15 alten EU-Ländern in die Schweiz, 32 000 verliessen das Land im gleichen Zeitraum (Siehe Grafik Seite 10). Das Kontingent von 15 300 Ersteinwanderungen aus beruflichen Gründen (ohne Familiennachzug) wurde damit wie auch in den Vorjahren voll ausgeschöpft. Lediglich zu zwei Dritteln wurde hingegen das Kontingent für Kurzaufenthalter (115 000) ausgeschöpft, die maximal für ein Jahr im Land bleiben dürfen. 47 Prozent der Daueraufenthalter verfügen über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe (Fachhochschule, Universität etc.), 35 Prozent über einen Abschluss der Sekundarstufe II.

Weitaus am meisten Zuwanderer kamen aus Deutschland (56 Prozent bei der Nettozuwanderung). Das hat zum einen mit der vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit bei unserem nördlichen Nachbarn zu tun, zum andern mit der sprachlichen und kulturellen Nähe. «Ausserdem», sagt Sabine Seidel von der deutschen Bundesagentur für Arbeit, «ist die Schweiz das einzige Land in Europa, wo ein Deutscher mehr verdienen kann als zu Hause. Die skandinavischen Länder zahlen zwar auch gut, aber dort sind die Lebenshaltungskosten und Sozialabgaben deutlich höher.»

 

Ein starker Motor für die Zuwanderung aus Deutschland sind auch die Schweizer Arbeitgeber. Fast täglich finden irgendwo in deutschen Grossstädten so genannte Jobbörsen statt, die von der Bundesagentur für Arbeit organisiert werden. « Unter allen ausländischen Firmen, die sich dort präsentieren und zum Teil schon mit unterschriftsreifen Verträgen aufwarten, sind die Schweizer die aktivsten.» Resultat: Fast jeder vierte Deutsche, der 2006 sein Land mit Hilfe der Arbeitsämter verliess, um im Ausland zu arbeiten, fand seinen Weg in die Schweiz.

 

Nur wenige Probleme

Bei den Angestelltenorganisationen beurteilt man die bisherigen Erfahrungen mit der Personenfreizügigkeit mehrheitlich positiv. «Da es heute für Unternehmen einfacher ist, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, hat die Öffnung wirtschaftlich wahrscheinlich positive Auswirkungen», konstatiert etwa Daniel Lampart, Ökonom beim schweizerischen Gewerkschaftsbund. Dort, wo Mindestlöhne in Gesamtarbeitsverträgen festgesetzt sind, hat man auch beim Gewerkschaftsbund festgestellt, dass Lohndumping abgewehrt werden konnte. Anders sieht es allerdings in Branchen ohne Mindestlöhne aus, etwa im Detailhandel oder in kleinen Reinigungsbetrieben in der Deutschschweiz. Auch Temporärbüros neigen nach Lamparts Erkenntnissen dazu, Mindestlöhne zu unterbieten «Bei Kontrollen kommt es in diesem Bereich bei mehr als zehn Prozent der Fälle zu Beanstandungen.»

 

Verbesserungspotenzial sieht Lampart auch bei der Umsetzung der flankierenden Massnahmen in den Innerschweizer Kantonen, die bei den Kontrollen oft zu lasch seien.

Ins gleiche Horn stösst Doris Schüepp, Generalsekretärin des VPOD. Auf dem Papier seien die flankierenden Massnahmen zwar gut, «doch in der Praxis muss man noch für eine bessere Umsetzung beziehungsweise für mehr Kontrollen sorgen.» Gerade im Gesundheits- und Sozialbereich strömen sehr viele Fachkräfte in die Schweiz, jährlich zwischen 3500 und 5500. Ein Lohndruck geht laut Doris Schüepp im Moment von den Zuwanderern nicht aus. «Das liegt vor allem daran, dass sich im staatlichen Gesundheitswesen die Löhne stark über Funktionen und Lohnklassen definieren und nicht individuell ausgehandelt werden», sagt Schüepp.

 

Am stärksten von der Zuwanderung betroffen ist mit jährlich zwischen 7000 und 9000 Zuwander/innen aus dem EU-Raum die Gastronomie. Insgesamt hat die Branche einen Ausländeranteil von 47 Prozent. Laut Stefan Unternährer von der Hotel- und Gastro-Union hat die Öffnung gegenüber der EU aber keine Verschlechterung gebracht, im Gegenteil: «Die Arbeitskräfte, die heute zuwandern, sind deutlich besser qualifiziert und motivierter, als dies unter dem Saisonnierstatut der Fall war.» Allerdings habe diese qualifizierte Einwanderung auch eine Kehrseite: «In der Gastronomie wenden sich sehr viele junge Leute nach ihrer Ausbildung von der Branche ab. Dadurch, dass jede Vakanz mit qualifizierten Fachkräften aus der EU besetzt werden kann, bleibt der Druck auf die Arbeitgeber aber niedrig, Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und Löhnen vorzunehmen.»

 

Am meisten Unzufriedenheit herrscht zurzeit im Baugewerbe. Nicht bei den Daueraufenthaltern, wo die Situation dank Gesamtarbeitsvertrag und flankierenden Massnahmen gut unter Kontrolle ist, sondern bei den Temporärbüros. Dort vermutet Hans-Ulrich Scheidegger von der Gewerkschaft Unia massives Lohndumping. «Der GAV im Baugewerbe kennt je nach Qualifikationsniveau fünf Lohnklassen», erklärt er den Mechanismus, mit dem getrickst wird. «Wenn ein Temporärangestellter als ungelernter Arbeiter in der Lohnbuchhaltung geführt wird, ist es für uns im Einzelfall sehr schwer nachzuweisen, dass er de facto unter Umständen als qualifizierter Maurer arbeitet. Das macht aber schnell einmal 1000 Franken Lohnunterschied im Monat aus.»

 

Das zweite grosse Problem auf den Schweizer Baustellen sind die entsandten Firmen. Auch diese müssten ihren Angestellten theoretisch Schweizer Löhne zahlen und deklarieren in der Regel auch, dies zu tun. Da die Lohnzahlungen aber nicht hier anfallen, sondern in den Heimatländern der Entsandten, ist eine Kontrolle fast unmöglich. «Viele Angestellte im Baugewerbe stehen der Personenfreizügigkeit mittlerweile sehr skeptisch gegenüber», fasst Scheidegger die Stimmung in der Branche zusammen.

 

Keine Kontrolle im Büro

Und in der kaufmännischen Branche? «Diese ist von der Personenfreizügigkeit noch nicht sehr betroffen», sagt Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim KV Schweiz. «Da in vielen kaufmännischen Berufen die Sprache des Arbeitsortes zentral ist und viele nationale Eigenheiten zum Tragen kommen, gibt es schon naturgemäss weniger ausländische Arbeitnehmende.» Als Mitglied der tripartiten Kommission hat Barbara Gisi einen guten Überblick über die Bereiche, wo es am ehesten zu Lohndumping kommt. «Vor allem in der Landwirtschaft und auf dem Bau ist das ein Problem», stellt auch sie fest. Aus dem kaufmännischen Bereich sind ihr keine Beanstandungen bekannt. «Allerdings», schränkt sie ein, «sind die Kontrollen in diesem Bereich auch nicht so umfassend wie in den Risikobranchen.»

Bei der Frage, was nach dem Wegfall der Kontingente passieren wird, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die meisten Angestelltenvertreter/innen glauben, dass es zu einem Anstieg an ausländischen Arbeitskräften kommen wird. Daniel Lampart vom SGB rechnet damit, dass die Zehn-Prozent-Marke, ab der die Schweiz theoretisch die Notbremse ziehen könnte, geknackt wird. «Vor allem gut qualifizierte Fachleute und Ungelernte werden den Weg in die Schweiz finden. Im mittleren Segment rechne ich hingegen mit keinem starken Zustrom», sagt er.

 

Auch Barbara Gisi rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Zuwanderung. Sie hofft aber, dass dies nicht zu einer Wiedereinführung von Kontingenten führt: «Das wäre lediglich eine zeitliche Verzögerung dieses Entwicklungsschrittes.»

 

Im Gastgewerbe bereitet das Wegfallen der Kontingente kein Kopfzerbrechen. Sorgen macht sich Stefan Unternährer aber, wenn auch die Kontingente für die zehn neuen EU-Staaten fallen. «Dann wird der Lohndruck in der Branche massiv zunehmen.»

 

Fachkräftemangel bleibt bestehen

Peter Gasser vom Seco hingegen rechnet mit keinem grossen Anstieg der Migration: «In den ersten Monaten nach dem Wegfall der Kontingente werden die Zahlen zwar etwas stärker zunehmen, vor allem deshalb, weil viele EU-Bürger, die heute bereits als Kurzaufenthalter im Land sind, eine Daueraufenthaltsbewilligung beantragen werden.» Da diese Menschen ohnehin schon hier arbeiten, werde sich an der Zahl der EU-Bürger/innen in der Schweiz dadurch nichts ändern. Gleichzeitig zeichnet sich bereits ab, dass auch die Rückwanderungsquote wächst. «Momentan sind gut ausgebildete Fachkräfte in ganz Europa gesucht», sagt Gasser. «Mit der vollen Personenfreizügigkeit wird den Ausländern ausserdem der Wegzug aus der Schweiz leichter gemacht, denn sie wissen, dass sie jederzeit und ohne Einschränkungen wieder einen Arbeitsplatz in der Schweiz annehmen können.»

Auch die grossen internationalen Personalvermittlungen glauben nicht, dass sich durch den Wegfall der Kontingente viel verändern wird. «Das gibt gewisse administrative Erleichterungen, aber mehr nicht», sagt etwa Denise Sonderegger von Randstad. «Bislang ist bei uns noch nie eine Vermittlung an den Kontingenten gescheitert.» Dass nicht mehr Erwerbstätige aus der EU in die Schweiz finden, liege vor allem daran, dass in gewissen Branchen die Arbeitsmärkte in ganz Europa ausgetrocknet seien. «Insbesondere in den Bereichen IT und Ingenieurswesen ist es momentan in allen Ländern schwierig, gut qualifizierte Angestellte zu finden.»

 

Die Schweiz sei als Arbeitsort international gesehen zwar relativ attraktiv, aber wenn die Menschen auch in ihren Heimatländern gute Jobangebote erhielten, sei die Bereitschaft zu einem Umzug in der Regel gering. «Ausserdem», hält sie fest, «sind die Arbeitszeiten in der Schweiz mit die längsten in Europa. Ein Franzose beispielsweise, der in die Schweiz kommt, muss durchschnittlich pro Jahr 360 Arbeitsstunden mehr leisten als in seiner Heimat. Das überlegt sich manch einer zweimal.»

 

Schweiz und Europa - der Fahrplan

Das Personenfreizügigkeitsabkommen mit den 15 alten EU-Mitgliedstaaten sowie den EFTA-Staaten ist am 1. Juni 2002 in Kraft getreten. Am 1. Juni tritt die Personenfreizügigkeit in eine neue Phase ein: Durch den Wegfall der Kontingente für die EU-15 gibt es vorerst probeweise den freien Personenverkehr. Sollte sich im Verlauf dieses Jahres (1. Juni 2007 bis 31. Mai 2008) eine hohe Zuwanderung aus den EU-15-Ländern ergeben (über zehn Prozent mehr als im Durchschnitt der drei vergangenen Jahre), so wäre es dem Bundesrat möglich, die Kontingentierung für zwei Jahre wieder einzuführen. Die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und den zehn neuen EU-Mitgliedstaaten ist seit dem 1. April 2006 in Kraft. Bis zur vollständigen Freizügigkeit gilt eine Übergangsfrist von sieben Jahren.

ach dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien am 1.1.2007 wird das bilaterale Vertragsnetz auch auf diese beiden Staaten ausgedehnt. Hier sind neue Verhandlungen, insbesondere über Inländervorrang und Kontingente notwendig.

 

Im kommenden Jahr wird das Parlament über die Weiterführung des Personenfreizügigkeitsabkommens entscheiden. Dieser Entscheid untersteht dem fakultativen Referendum. Eine Abstimmung würde voraussichtlich Ende 2008 oder Anfang 2009 stattfinden

 

Nettozuwanderung aus der EU-15

Daueraufenthalter inkl. Familiennachzug (2006)

 Deutschland 16 008

 Portugal 6751

 Frankreich 3547

 GB 1243

 Österreich 341

 Italien - 460

 Spanien - 2181

 Total EU-15 25 249

 Drittstaaten 19 008

Quelle: Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement

 

Wie viele Schweizer gehen ins Ausland?

Es kommen nicht nur Ausländer/innen in die Schweiz. Auch die Schweizer/innen machen von der Personenfreizügigkeit Gebrauch. 2006 lebten 645 010 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland, wie das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärt. Das sind 1,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Über 60 Prozent davon leben in der EU. Mit Abstand beliebtester Staat für einen Wohnsitz im Ausland ist Frankreich mit über 170 000 Schweizer Staatsangehörigen, gefolgt von Deutschland mit rund 72 000. Die USA, wo jahrelang am zweitmeisten Schweizerinnen und Schweizer lebten, sind auf den dritten Platz zurückgefallen.

 

«Das war für mich nicht Ausland.» 

Julia Heesch, 27Jahre alt, arbeitet seit zwei Jahren bei der SWISS in der Abteilung People Development and Training.

 

Viereinhalb Jahre hat Julia Heesch in Johannesburg gelebt. Nach dem Abitur habe es sie ins Ausland gezogen. «Abenteuerlust» nennt sie den Motor, der sie antrieb, ihre Heimat in der Nähe von Hannover zu verlassen. In Südafrika hat sie den Bachelor in Psychologie gemacht, dann kehrte sie nach Deutschland zurück, um ihren Master zu machen. Und seit zwei Jahren lebt sie in der Schweiz. Sie habe in Südafrika gemerkt, wie wichtig ihr die Familie und ihre Freunde seien. Damals habe «ich einiges verpasst von unserem Familienleben». Sie will die Möglichkeit haben, ihre Freunde und ihre Familie öfter als einmal im Jahr zu sehen. Sie habe die Schweiz zwar nicht gekannt, aber da ein Onkel der Familie bereits in die Schweiz ausgewandert sei, habe es eine Verbindung zum Nachbarland gegeben. Ausserdem habe sie das Gefühl gehabt: «Die Schweiz, das ist noch nicht das Ausland.»

 

Julia Heesch hat nach ihrer Ausbildung auch in Deutschland eine Arbeit gesucht. In der Schweiz habe es schneller geklappt und die Arbeitsbedingungen seien besser, sagt sie. In Deutschland werde man oft von einem Praktikum ins nächste weitergereicht. Bei der SWISS hingegen hatte sie nach ein paar Monaten bereits eine fixe Stelle erhalten. Die Arbeit sei spannend, sie habe schnell interessante Aufgaben übernehmen können, sagt sie. So ist Julia Heesch unter anderem für die Betreuung eines «Förderprogrammes junger Nachwuchskräfte» zuständig.

 

Bis jetzt hat sie nur eine Kurzaufenthaltsbewilligung erhalten, weil die Kontingente für die längeren Aufenthalte bereits ausgeschöpft waren. Das sei zwar nicht weiter schlimm, sagt sie, bringe aber auch einige Nachteile im Alltag mit sich. So konnte sie zum Beispiel keinen Vertrag für ein Abonnement fürs Handy abschliessen.

 

«Ich kann mir vorstellen, in der Schweiz alt zu werden», sagt Julia Heesch. Sie schwärmt von ihrem neuen Wohnort Zürich. Hier geniesse sie alle Vorteile des Stadtlebens und sei trotzdem schnell im Grünen. Auch wenn der Start in der Schweiz nicht so einfach gewesen sei, wie sie sich das vorgestellt habe. Es sei schwierig, gute Freunde zu finden. Julia Heesch erlebt die Schweizerinnen und Schweizer als sehr freundlich, aber auch verschlossen. So sind heute die meisten ihrer Freunde ausgewanderte Deutsche.

Auch der Dialekt war am Anfang schwierig zu verstehen. Zum Glück habe sich eine Arbeitskollegin anerboten, mit ihr Dialekt zu reden, damit sie das Schweizerdeutsch schneller lerne. Und heute sei es bereits so, dass wenn sie nach einem Auslandaufenthalt auf dem Zürcher Flughafen ankomme, denke: «Ich bin zu Hause.

 

«Der Ort, an dem ich lebe.» 

Frank Berthold, 40 Jahre alt, arbeitet seit sechzehn Jahren bei ABB Schweiz, heute als Bereichscontroller der Kommu-nikationsabteilung. Seit 2004 lebt der ehemalige Grenzgänger in der Schweiz.

 

Zuhause, das ist für Frank Berthold der «Ort, an dem ich lebe». Seit drei Jahren wohnt er in der Schweiz, zuerst in Würenlingen und später in Koblenz im Kanton Aargau, nahe an der deutschen Grenze. Aufgewachsen ist Frank Berthold nicht weit weg von seinem jetzigen Wohnort, im deutschen Waldshut. Bereits als kleines Kind habe er die Schweiz gekannt, da sein Vater jahrzehntelang als Grenzgänger gearbeitet hat. Ein Umzug in die Schweiz sei für die Familie aber nicht infrage gekommen. Man sei damals wahrscheinlich mehr verwurzelt gewesen, sagt Berthold.

 

Auch der Sohn tritt zuerst in die Fussstapfen des Vaters: Nach seiner Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten, erhält Frank Berthold «per Zufall» bei ABB Schweiz eine Stelle, zuerst arbeitet er in Turgi, nach sechs Jahren wechselt er nach Baden. In Süddeutschland habe er beruflich wenig Möglichkeiten, sagt er. Wer in die Grossindustrie wolle, müsse sich in der Schweiz umschauen oder in den grösseren Städten wie Frankfurt. 1991 tritt Frank Berthold seine Stelle an und pendelt zwischen den beiden Ländern.

Für ihn gibt es diese Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz zwar sehr wohl auf der Landkarte, doch in seinem Alltag hat er diese Trennung immer als «fliessend» erlebt. Man spreche eine ähnliche Sprache, habe die gleichen Wertvorstellungen und dieselbe Arbeitsmentalität, sagt er. «Da ist vieles gleich.» Nach der Trennung von seiner Frau wollte der zweifache Vater näher bei seinem Arbeitsort leben und ist in die Schweiz gezogen.

 

Wenn er über seine neue Heimat spricht, dann ist für Frank Berthold, obwohl in der Schweiz vieles ähnlich ist wie in Süddeutschland, einiges nicht selbstverständlich. froh, an seinem Wohnort so gut aufgenommen worden zu sein, erklärt er. Klar auch, dass sich jeder Ausländer selber anstrengen müsse. Gerade bei der Sprache sieht er den Knackpunkt, weshalb sich Deutsche schwertun mit der Integration und hie und da auch als arrogant würden. Dieses Problem könnte sich nächsten Zeit noch zuspitzen, glaubt mit dem neuen Öffnungsschritt vermehrt Leute aus Nord- und Ostdeutschland Schweiz kommen werden. Was er Schweizern sage, die Angst um ihre Arbeitsplätze hätten, wollen wir von ihm wissen. glaube, dass gut ausgebildete Arbeitnehmer eine Stelle finden werden. Und die Schweizerinnen und Schweizer seien gut ausgebildet, sagt Frank Berthold. Öffnung auf Probe.

Am 1. Juni gehen die Grenzen für Erwerbstätige aus den 15 alten EU-Ländern ganz auf. Arbeitnehmerorganisationen und das Seco blicken der erweiterten Öffnung mit Gelassenheit entgegen.

 

«Ende Jahr musst du einfach Geld verdient haben»: Urs Fischbach, Devisenhändler bei der ZKB

Montag, 20 Uhr. Urs Fischbach öffnet uns die Tür zum Bürogebäude der Zürcher Kantonalbank (ZKB) an der Josefstrasse im Zürcher Industriequartier. Es geht in den dritten Stock, Abteilung Devisenhandel. Urs Fischbach nimmt Platz vor acht Bildschirmen mit Zahlen, Tabellen und Grafiken. Der Devisenhändler macht seit 18 Jahren die New-York-Schicht, die so heisst, weil sie sich an den US-amerikanischen Geschäftszeiten orientiert. Fischbach arbeitet von 16 Uhr bis halb ein nachts, in der Regel in einem Dreierteam.

«Mir gefällts sehr gut», sagt der 49-jährige Aargauer über seine ungewöhnliche Arbeitszeit. Der Vorteil: Er hat noch etwas vom Tag, steht er doch nach rund sechs Stunden Schlaf um neun Uhr auf. Um zwölf kocht er das Mittagessen oder trifft sich dazu mit Kollegen. Ein Mannschaftssport liegt aber nicht drin. Sozial sei es nicht einfach, sagt er, jemanden am Sonntag für den Ausgang gewinnen, könne schwierig sein. Urs Fischbach war verheiratet und ist Vater. «Für eine Partnerin ist es bestimmt nicht einfach, abends mit den Kindern alleine zu sein.»

Urs Fischbach kauft und verkauft alle handelbaren Währungen, am häufigsten die Hauptwährungen wie US-Dollar, Euro, Schweizer Franken, britisches Pfund oder Yen. «Ende Jahr musst du einfach Geld verdient haben. In welcher Währung spielt keine Rolle.» Fischbach handelt stets mit Beträgen in Millionenhöhe. Trotzdem schläft er ruhig.
Eigentliche Esspausen kennt Fischbach nicht. Denn der Handel verlangt ständige Präsenz. Deshalb wird vor den Bildschirmen gegessen. Manchmal bringt er von zu Hause etwas mit, ein anderes Mal kocht er eine Suppe. Das Abendessen nimmt er um sieben oder um neun ein, wie es gerade kommt. «Wenn ich eine Position habe und es läuft nicht wunschgemäss, dann studiere ich nicht, ob ich Hunger habe.» Die New-York-Schicht sei in letzter Zeit aber eher ruhig, sagt er.

«Wenn ich nachmittags komme, freuen sich meine Kollegen», sagt der Händler. Sein Arbeitsbeginn kündigt nämlich deren baldigen Feierabend an. Selber schätzt er die Ruhe während der Nacht: «Man hat seinen Frieden.» Devisenhandel ist Teamarbeit, Fischbach arbeitet im kleinen Zweier- oder Dreierteam. Umso wichtiger ist, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. Ob er den Feierabend manchmal herbeisehne? Wenn wenig läuft, wartet er darauf, dass die Ablösung kommt. Dann ist er froh, dass fernsehen erlaubt ist. Auf einem der Bildschirme wird gerade ein Kochwettbewerb ausgetragen. «So höre ich im Hintergrund immer eine Stimme, sonst wäre es fast zu ruhig.»
21 Uhr. Wir verabschieden uns. Urs Fischbachs Kollege begleitet uns zum Ausgang. holt vom Fast-Food-Imbiss um die Ecke einen Kebab. halb eins werden die beiden vom Team der Asien-Schicht, das bis acht morgens arbeitet, abgelöst werden. Der Devisenhandel läuft rund um die Uhr. Urs Fischbach ist gegen ein Uhr zu Hause, trinkt noch ein Glas mit seiner Partnerin und geht gegen drei Uhr zu Bett.

 

Ohne schlechtes Gewissen schlafen

Wer immer in der Nacht arbeitet, hat weniger gesundheitliche Probleme als Arbeitnehmende mit wechselnden Schichten, sagt Daniel Hicklin, Experte für Schlaf und Schlafstörungen.

Context: Herr Sie sind Psychologe auf dem Fachgebiet Schlaf und Schlafstörungen. Arbeiten persönlich in der Nacht?
Daniel Hicklin: Nein. Ich bin froh, dass es an meinem gegenwärtigen Arbeitsplatz nicht nötig ist. Meine Partnerin arbeitet zu normalen Arbeitszeiten. Das würde es schwierig machen, gemeinsam Zeit zu verbringen. Doch was es heisst, in der Nacht zu arbeiten, das sieht für jede Person wieder anders aus. Es gibt Leute, die durch Nachtarbeit Schlafstörungen entwickeln, bei anderen wiederum führt Nachtarbeit zu sozialen Problemen, für dritte ist Nachtarbeit gut verträglich.

Die gängige Meinung gegen Nachtarbeit heisst, sie ist ungesund. Nun gibt es aber auch Untersuchungen, die zum Schluss kommen, dass die wenig Einfluss auf die Gesundheit hat. Was stimmt nun?
Man kann klar nachweisen, dass Arbeitnehmende, die in der Nacht arbeiten, häufiger an Magen-Darm-Störungen leiden und vermehrt Herz-Kreislauf-Beschwerden entwickeln. Zudem sind Schlafstörungen bei Schichtarbeit sehr häufig. Es hängt auch davon ab, wie Nachtschicht geleistet wird: sind es nur wenige, zwei oder drei aufeinanderfolgende Nächte oder viele Nächte.

Wie wirken sich diese Formen aus?
Der Schlaf-Wach-Rhythmus verschiebt sich nur langsam - zirca 30 bis 45 Minuten pro Tag vorwärts und etwa 15 bis 20 Minuten pro Tag rückwärts. Eine vollständige Umstellung von einer Tag- auf eine Nachtschicht dauert ungefähr 14 Tage. Bei kurz rotierenden Schichtsystemen kommt es nur zu einer geringfügigen Verschiebung des Rhythmus, was sich günstig auswirkt bei Personen, die eher Mühe mit Nachtarbeit haben. Anders langsam rotierende Systeme, bei denen es zu einer grösseren Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus und damit zu einer Teilanpassung an die Nachtschicht kommt. Zwar verbessert sich die Befindlichkeit während der Nachtarbeit, es können aber bei der Umstellung erhebliche Rückumstellungsprobleme auftauchen. Am geringsten sind die körperlichen Folgen bei Dauernachtarbeit.

Das heisst, wenn jemand immer in der Nacht arbeitet, stellt sich der Körper um?
Der Körper kann sich ganz umstellen, sofern man in der Freizeit im gleichen Rhythmus bleiben würde. Das Problem ist jedoch, dass sich das Umfeld nicht umstellt und Einflussquellen wie zum Beispiel Tageslicht oder Lärm den Schlaf tagsüber stören. Die meisten Nachtarbeitenden wechseln zudem in der Freizeit wieder auf den so genannten Normalrhythmus.

Welcher Wechsel von Nacht- und Tagarbeit ist sinnvoll?
Kurzrotierende Zyklen sind besser, weil sich der Schlaf-Wach-Rhythmus nur wenig verschiebt und es daher weniger Rückumstellungsprobleme gibt. Es gibt dann allerdings häufigere Wechsel auf Nachtschichten. Zudem können diese Modelle in sozialer Hinsicht problematischer sein, da die Arbeitspläne etwas komplizierter und daher für die Familie weniger einsichtig sind. Und Untersuchungen zeigen, dass die Familie bei Schichtarbeit ein wichtiger, unterstützender Faktor ist.

Was zeigen diese Untersuchungen?
Menschen, die in der Partnerschaft und in der Familie unterstützt werden, geben einen besseren Gesundheitszustand an. Das engste Umfeld muss den Rhythmus akzeptieren und ihn in einer gewissen Weise auch mitleben. Ich erinnere mich an einen Schichtarbeiter, der in einem Kurs einmal gesagt hat, nicht nur er arbeite Schicht, sondern seine ganze Familie.

Ist das für eine Partnerschaft oder eine Familie nicht sehr belastend?
Es kann belastend sein. Es muss aber nicht. Es kann auch Vorteile mit sich bringen, vor allem, wenn die Kinder noch klein sind. So können sich die Eltern zum Beispiel bei der Kinderbetreuung tagsüber abwechseln. Wir konnten bisher bei unseren Befragungen zum Beispiel keine höhere Scheidungsquote feststellen. Viele Befragten geben an, dass Schichtarbeit konflikthemmend sein könne. Die Paare müssen sich viel besser absprechen, wie sie gemeinsame Zeiten finden.

Sie beraten Firmen, die durchführen. Mit welchen Problemen werden Sie am meisten konfrontiert?
Es gibt immer wieder Fragen zum Umgang mit Schlaf, zu Schlafstörungen sowie Rückumstellungsproblemen. Auch über die Ernährung wollen viele etwas wissen. Häufig taucht auch die Frage auf, wie Schichtarbeiter in der Firma besser integriert werden können. Schichtarbeiter sind etwas isoliert, dies sieht man unter anderem auch daran, dass jeweils nur eine Minderheit Firmenanlässe besuchen kann.

Was kann man bei Ihnen lernen?
Normalerweise besuchen alle Schichtarbeiter einer Firma unsere Seminare. Im theoretischen Teil geben wir einen Einblick in die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Schichtarbeit. Zudem zeigen wir Methoden, um die Umstellungsproblematik zu reduzieren und die Arbeitsfähigkeit in der Nacht zu verbessern. Im praktischen Teil werden diese Themen in der Gruppe diskutiert; dabei geht es darum, das theoretische Wissen zur Schichtarbeit mit der eigenen Situation in Verbindung zu setzen und einen Austausch zu diesen Themen zwischen den Schichtarbeitenden zu fördern. Langjährige Schichtarbeiter sind oft Experten im Umgang mit wechselnden Schlafzeiten. Deshalb versuchen wir sehr individuell auf die Probleme und Fragen einzugehen und Lösungen zu finden.

Was raten Sie den Leuten, die zu ihnen in die Kurse kommen?
Das tönt nun ein wenig banal: genügend Schlaf. Vor allem bei Angestellten, die Frühschicht arbeiten, sind die Schlafzeiten oft recht kurz.

Weshalb erwähnen nun die Frühschichtarbeitenden?
Bei Leuten, die Frühschicht arbeiten, ist oft die tatsächliche Schlafdauer im Vergleich zum Schlafbedürfnis zu gering. Zudem haben sie häufig Einschlafschwierigkeiten, da man möglichst schnell einschlafen möchte, was sich eher ungünstig auf den Schlaf auswirkt. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll nach einer Frühschicht nochmals etwas zu schlafen. Schichtarbeiter haben aber oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich nach der Arbeit hinlegen. Eigentlich haben sie ja schon geschlafen. Einfach nicht genug.

Kann man Schlaf aufholen oder vorschlafen?
Schlaf kann bis zu einem gewissen Grad auf- oder vorgeholt werden. Bei Frühschicht kann nach der Arbeit kurz nachgeschlafen werden. Bei Nachtschicht gibt es die Möglichkeit vorzuschlafen und so den Schlafdruck während der Nachtarbeit etwas zu senken. Die Problematik des Schlaf-Wach-Rhythmus bleibt allerdings bestehen: Es wird eine Leistung erbracht zu einer Zeit,in welcher der Organismus auf Erholung eingestellt und weniger leistungsfähig ist. Schlafmangel sollte möglichst schnell ausgeglichen werden - entweder, dass man die nächste Nacht länger schläft oder dass man einen Tagesschlaf macht.

Wann hat man genug geschlafen?
Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt sieben Stunden. Einige brauchen weniger, andere wiederum brauchen mehr, die so genannten Langschläfer. Für diese Menschen ist es schwierig, Schicht zu arbeiten.

Wie weiss man denn, dass man genug geschlafen hat?
Testen lässt sich das am Wochenende oder in den Ferien. Hier können sich alle selber überprüfen: Wie viel Schlaf brauche ich, damit ich fit bin?

 

 

«Haben wir viel Arbeit, merkt man nicht, dass man müde ist»: Heidi Carretero, Mitarbeiterin Import/Export bei Cargologic

Es ist zwei Uhr nachmittags. Heidi Carreteros heutige Schicht, die um sechs begonnen hat, geht ihrem Ende entgegen. Wir sitzen im Büro ihres Chefs, im ersten Stock, über der riesigen Halle beim Flughafen Kloten, in der Cargologic Güter umschlägt: Importierte Güter, die für den Weitertransport mit Destination in der Schweiz oder im nahen Ausland bestimmt sind, und Exportwaren, die auf ihren Abflug nach Zielflughäfen auf der ganzen Welt warten.

Die 29-Jährige arbeitet im Data Doc Center, wo sie Frachtbriefe erfasst und Zolldokumente erstellt. Cargologic ist ein Schichtbetrieb: Es gibt Frühschichten ab vier, fünf, und sechs Uhr, Tagesschichten ab sieben und ab viertel vor acht Uhr sowie Spätschichten ab ein, zwei und drei nachmittags. Ausserdem wird in der Nacht von Freitag auf Samstag ab halb zehn bis sechs morgens gearbeitet. Und auch am Wochenende ist ihr Team im Einsatz. Die Schicht von Freitag auf Samstag macht Heidi Carretero, seit knapp acht Jahren bei Cargologic, etwa einmal monatlich.

«Nachts ist es viel ruhiger», sagt Carretero. Im Grossraumbüro, wo es tagsüber recht chaotisch zu und her gehen kann, arbeiten von Freitag auf Samstag nur sie und eine Kollegin. Sie könne vorwärts machen und werde nicht abgelenkt. «Meistens haben wir recht viel zu tun. So merkt man nicht, dass man müde ist.» In der halbstündigen Pause isst sie nur etwas Kleines, etwa ein Joghurt. «Es ist komisch, mitten in der Nacht etwas zu essen.» Hungrig sei sie nicht. Früher, als sie drei und mehr Nächte hintereinander arbeitete, war es anders, aber heute lohne es sich nicht, umzustellen.

Kommt Heidi Carretero gegen halb sieben nach Hause, geht sie schnurstracks ins Bett. Bereits um zwölf Uhr steht sie wieder auf. «Schlafe ich länger, bekomme ich Kopfschmerzen.» Abends geht sie dann wieder früh schlafen. Weil sich der Körper nicht an die Nachtarbeit gewöhne, mache ihr diese nicht sehr zu schaffen. Unterm Strich arbeitet die junge Frau aber nicht so gerne nachts. «Der Schlaf tagsüber ist nicht so gut wie derjenige nachts», sagt sie.

Am wenigsten mag es Heidi Carretero, wenn sie abends bis elf Uhr arbeitet und am nächsten Morgen wieder um sieben anfängt. «Das macht mich nervös, weil ich weiss, ich muss bald wieder aufstehen.» Am liebsten hat sie die Frühschichten ab fünf oder sechs Uhr. «Dann habe ich am meisten vom Tag.» Im Sommer könne man in die Badi oder finde beim Coiffeur bestimmt einen freien Termin.

Monatlich hat Heidi Carretero fünf Wünsche frei, wann sie Freitage beziehen und bevorzugte Schichten übernehmen möchte. Sie gibt stets ein Wochenende ein, um dieses mit ihrem Partner verbringen zu können. Arbeitet sie Frühschicht, sehen sie einander auch abends. Schwierig ist es bei Spätschicht: Steht ihr Partner morgens auf, schläft sie noch. kommt sie abends nach Hause, ist ihr Partner bereits am Schlafen.