Der Rundgang beginnt um 20.30 Uhr. Kontrolliert werden soll ein Bürogebäude im Zürcher Kreis 4. Tagsüber arbeiten hier 150 Mitarbeitende. Es ist eines von vielen Objekten, bei welchen der Bewacher René Stark auf seiner Tour heute Nacht Station machen wird. «Zuerst gehe ich immer einmal um das ganze Gebäude herum», erläutert er sein Vorgehen und führt uns von der Eingangshalle in den Hinterhof. Um diesen Hof herum bilden mehrere Bürogebäude und Wohnhäuser ein Quadrat. Eine schwarze Katze möchte ins Haus. «Lassen Sie sie herein», ruft uns ihre Besitzerin aus dem 4. Stock zu. Doch die Haustüre ist verschlossen.
René Stark kontrolliert zunächst alle Türen, die ins Freie führen. Das sind neben den eigentlichen Ausgängen auch die Notausgänge und die Garagentüren. Stark ist seit fünf Jahren bei der Securitas. Vorher arbeitete der 34-Jährige als Koch in einem Restaurant. Die langen 12- bis 14-stündigen Arbeitstage waren ihm verleidet und so suchte er nach etwas Neuem. Bei der Securitas ist der Dienst geregelt. Eine Schicht dauert acht Stunden. Stark arbeitet praktisch nur nachts, immer vier Nächte Dienst und dann zwei Nächte frei. Selten, vielleicht einmal an einem Wochenende, steht auch mal ein Einsatz am Tag auf seinem Dienstplan.
Es sind alle Aussentüren verschlossen. Jetzt folgen wir dem Bewacher ins Untergeschoss. Hier sind in verschiedenen Räumen Heizung, Lüftung und Klimaanlage untergebracht. Ein kurzer Blick auf die Mess-geräte an der Wand zeigt, dass alles in Ordnung ist. Falls etwas defekt wäre, so Stark, würde es hier blinken und pfeifen wie verrückt, es sei unübersehbar. Je nach dem Grund der Störung, müsste er dann eine Kontaktperson des jeweiligen Unternehmens informieren, beispielsweise, wenn an einem Sonntagabend im Winter die Heizung defekt ist.
Vom Keller geht es hinauf in die oberste Etage des sechsgeschossigen Gebäudes. Natürlich könnte er auch mit dem Parterre beginnen, so Stark, doch er macht es lieber so, kontrollieren von oben nach unten. In solchen Dingen biete seine Tätigkeit einen gewissen Spielraum für individuelle Vorlieben. René Stark schätzt das. Man kann selbstständig arbeiten, niemand redet einem drein. «Alles in allem ein ruhiger und friedlicher Job.» Er ist noch nie in eine beängstigende oder auch nur beunruhigende Situation geraten. Dreimal traf er bisher auf Einbruchspuren. In solchen Fällen ruft er die Polizei, welche dann am Tatort die Spurensicherung vornimmt. Dass er auch mal einem Einbrecher gegenüberstehen könnte, stellt er sich lieber nicht vor.
Im Lavabo einer Toilette läuft noch Wasser. Stark dreht den Wasserhahn zu. Das komme sehr häufig vor. «Die Leute waschen sich die Hände und sind in Gedanken schon wieder ganz woanders.» In einzelnen Büroräumen stehen die Fenster offen, oder es brennt Licht. Der Bewacher schliesst und löscht ab. Mit einer Taschenlampe leuchtet er die dunklen Räume aus. «Geräte, die abzuschalten sind, fallen so mehr auf.» An einem Arbeitsplatz läuft denn auch noch das Radio, Wunschkonzert, es ist Montagabend. Stark schaltet das Radio aus. Immer noch eingeschaltet sind auch diverse PC und Drucker, doch damit hat er bei diesem Kunden nichts zu tun. Es gibt aber durchaus umweltbewusste Kunden, bei denen er sämtliche elektronischen Geräte ausschalten muss. Dies verlängere einen Kontrollgang jedoch wesentlich, müsse man doch bei gewissen Geräten immer von Neuem wieder nach dem Ausschaltknopf suchen. Er ist auch schon mehrmals vor offenen Tresortüren gestanden. «Kein Problem, schliessen kann man immer.»
René Stark trägt etwa 50 Schlüssel auf sich. Alle jeweils zu einem bestimmten Gebäude gehörenden sind von einem Ring zusammengehalten. Das erleichtert die Übersicht. Als er an seinem ersten Arbeitstag einen erfahrenen Arbeitskollegen begleitete, habe er gedacht, das schaffe er nie, alles im Kopf zu behalten: Welche Schlüssel wo zum Einsatz kommen und was bei den einzelnen Kunden zu kontrollieren ist. In den ersten Wochen arbeitete er noch mit einem Spick, doch irgendwann habe man alle Aufgaben und Abläufe intus. Stark kontrolliert nicht nur Bürogebäude, sondern auch Wohnblöcke und Einfamilienhäuser.
Wer neu ist bei der Securitas, durchläuft eine interne Ausbildung und ist so lange mit einem Kollegen unterwegs, bis er sich sicher genug fühlt, den Rundgang allein zu bestreiten. Voraussetzung für die Tätigkeit ist eine abgeschlossene Berufslehre. Es seien Vertreter aller möglichen Berufsgattungen unter seinen Kollegen, sagt Stark. Manche nur für kurze Zeit, zur Überbrückung zwischen zwei Jobs, andere während Jahrzehnten. Pro Nacht legt der Bewacher rund 20 km zurück. Etwa die Hälfte davon per Velo, den Rest zu Fuss, darin inbegriffen sind rund 2500 Treppenstufen. Der Lift ist für ihn aus Sicherheitsgründen tabu. Zu seiner Ausrüstung gehören eine Taschenlampe, ein Funkgerät und eine Kontrolluhr. Alle drei Stunden muss er sich auf der Einsatzzentrale melden.
Im vierten Stock treffen wir auf einen einsamen Mitarbeiter, der heute offenbar Überstunden macht. Stark verlangt seinen Ausweis. Er schreibt Name und Vorname sowie Nummer der Identitätskarte in sein Notizbüchlein. Die Angaben werden später in den Rapport, den er jeweils den Kunden übergibt, übertragen. Falls Stark jemanden antrifft, den er noch nie gesehen hat oder der ihm irgendwie komisch vorkommt, ruft er die Kontaktperson des jeweiligen Kunden an. Heute ist das aber nicht nötig. Dieser Mitarbeitende macht einen ganz und gar unverdächtigen Eindruck. Ansonsten kommt es eher selten vor, dass Stark noch auf Mitarbeitende trifft. Obwohl die Räume leer sind, liegt doch irgendwie in der Luft, dass sich hier vor Kurzem noch Menschen aufgehalten haben. Ihre Spuren sind sichtbar. Jeder Schreibtisch sieht anders aus. Auf den einen steht ausser PC und Telefon nichts, auf anderen stapeln sich Papierberge. Doch darüber zu sinnieren, was für Menschen ihren Arbeitstag an den jeweiligen Schreibtischen verbringen, dafür hat der Bewacher keine Zeit.
Viel häufiger als in den Büros trifft er unterwegs auf Leute. Quartierbewohner, die - weil sie nicht schlafen können - einmal um den Block laufen und gerne zwei, drei Worte wechseln. Regelmässige Begegnungen ergeben sich auch mit Betrunkenen und Drogenkonsumenten. Wenn Vollmond sei, komme es deutlich häufiger zu komischen Begegnungen. «Vollmond merkt man extrem.» Kürzlich sei ihm morgens um zwei Uhr eine betagte Frau aufgefallen, die barfuss und im Nachthemd unterwegs war. Sie habe angegeben, eine Freundin besucht zu haben und sei jetzt auf dem Nachhauseweg. Stark telefonierte der Polizei. Dort lag bereits eine Vermisstmeldung eines Altersheims vor. Er habe sich gewundert, dass es niemand für nötig befunden habe, diese Frau anzusprechen und ihr behilflich zu sein. Manchmal zwischen drei und vier Uhr hat er eine Müdigkeitskrise. Dann macht er eine Pause und trinkt einen Kaffee.
40 Minuten hat der Rundgang gedauert. Wir verlassen das Gebäude und wünschen René Stark einen schönen Dienst. Diesen Gruss hatten wir zuvor in der Einsatzzentrale der Securitas aufgeschnappt. Stark steigt aufs Velo und fährt zum nächsten Kunden, wo er wiederum zuerst die Aussentüren kontrollieren wird. alles im Kopf zu behalten: Welche Schlüssel wo zum Einsatz kommen und was bei den einzelnen Kunden zu kontrollieren ist. In den ersten Wochen arbeitete er noch mit einem Spick, doch irgendwann habe man alle Aufgaben und Abläufe intus. Stark kontrolliert nicht nur Bürogebäude, sondern auch Wohnblöcke und Einfamilienhäuser.
Wer neu ist bei der Securitas, durchläuft eine interne Ausbildung und ist so lange mit einem Kollegen unterwegs, bis er sich sicher genug fühlt, den Rundgang allein zu bestreiten. Voraussetzung für die Tätigkeit ist eine abgeschlossene Berufslehre. Es seien Vertreter aller möglichen Berufsgattungen unter seinen Kollegen, sagt Stark. Manche nur für kurze Zeit, zur Überbrückung zwischen zwei Jobs, andere während Jahrzehnten. Pro Nacht legt der Bewacher rund 20 km zurück. Etwa die Hälfte davon per Velo, den Rest zu Fuss, darin inbegriffen sind rund 2500 Treppenstufen. Der Lift ist für ihn aus Sicherheitsgründen tabu. Zu seiner Ausrüstung gehören eine Taschenlampe, ein Funkgerät und eine Kontrolluhr. Alle drei Stunden muss er sich auf der Einsatzzentrale melden.
Im vierten Stock treffen wir auf einen einsamen Mitarbeiter, der heute offenbar Überstunden macht. Stark verlangt seinen Ausweis. Er schreibt Name und Vorname sowie Nummer der Identitätskarte in sein Notizbüchlein. Die Angaben werden später in den Rapport, den er jeweils den Kunden übergibt, übertragen. Falls Stark jemanden antrifft, den er noch nie gesehen hat oder der ihm irgendwie komisch vorkommt, ruft er die Kontaktperson des jeweiligen Kunden an. Heute ist das aber nicht nötig. Dieser Mitarbeitende macht einen ganz und gar unverdächtigen Eindruck. Ansonsten kommt es eher selten vor, dass Stark noch auf Mitarbeitende trifft. Obwohl die Räume leer sind, liegt doch irgendwie in der Luft, dass sich hier vor Kurzem noch Menschen aufgehalten haben. Ihre Spuren sind sichtbar. Jeder Schreibtisch sieht anders aus. Auf den einen steht ausser PC und Telefon nichts, auf anderen stapeln sich Papierberge. Doch darüber zu sinnieren, was für Menschen ihren Arbeitstag an den jeweiligen Schreibtischen verbringen, dafür hat der Bewacher keine Zeit.
Viel häufiger als in den Büros trifft er unterwegs auf Leute. Quartierbewohner, die - weil sie nicht schlafen können - einmal um den Block laufen und gerne zwei, drei Worte wechseln. Regelmässige Begegnungen ergeben sich auch mit Betrunkenen und Drogenkonsumenten. Wenn Vollmond sei, komme es deutlich häufiger zu komischen Begegnungen. «Vollmond merkt man extrem.» Kürzlich sei ihm morgens um zwei Uhr eine betagte Frau aufgefallen, die barfuss und im Nachthemd unterwegs war. Sie habe angegeben, eine Freundin besucht zu haben und sei jetzt auf dem Nachhauseweg. Stark telefonierte der Polizei. Dort lag bereits eine Vermisstmeldung eines Altersheims vor. Er habe sich gewundert, dass es niemand für nötig befunden habe, diese Frau anzusprechen und ihr behilflich zu sein. Manchmal zwischen drei und vier Uhr hat er eine Müdigkeitskrise. Dann macht er eine Pause und trinkt einen Kaffee.
40 Minuten hat der Rundgang gedauert. Wir verlassen das Gebäude und wünschen René Stark einen schönen Dienst. Diesen Gruss hatten wir zuvor in der Einsatzzentrale der Securitas aufgeschnappt. Stark steigt aufs Velo und fährt zum nächsten Kunden, wo er wiederum zuerst die Aussentüren kontrollieren wird.
100 Jahre Securitas
Am 1. August 1907 wurde in Bern der Betrieb der heutigen Securitas AG gegründet. Um die Jahrhundertwende entstanden in der ganzen Schweiz neue Industrie- und Handelsanlagen. Der wirtschaftliche Boom hatte zur Folge, dass sich neben staatlichen und betriebseigenen Sicherheitskräften eine private Sicherheitsorganisation etablieren konnte. Die ersten Angestellten trugen Uniformen, die denen des Militärs oder der Polizei ähnlich waren. Am Gurt, welcher über der Uniformjacke getragen wurde, hing zur Linken ein Bajonett, bei den Filialdirektoren waren es Säbel. Rund 70 Wächter begannen damals ihren Dienst, der Lohn betrug um die vier Franken pro Tag. Monatlich hatte ein Wächter zwei Nächte frei. In der Folge entstanden überall in der Schweiz neue Securitas-Filialen. Als Meilenstein gilt, dass die SBB-Kreisdirektionen die Securitas mit nächtlichen Bewachungsaufgaben beauftragten. 1914 erhielt das Unternehmen mit den Diensten an der Landesausstellung in Bern seinen ersten Veranstaltungsauftrag.
In den folgenden Jahrzehnten baute die Securitas ihr Angebot ständig aus. Sie übernahm weitere Firmen und gründete mehrere Tochtergesellschaften. Auf die wachsende Konkurrenz reagierte die Marktleaderin mit einer Professionalisierung der Ausbildung. 2000 führte sie eine Ausbildung ein, welche mit dem eidgenössischen Fachausweis abschliesst. Heute beschäftigt die Securitas Gruppe über 10 000 Mitarbeitende im In- und Ausland. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der Mitarbeitende einer privaten Sicherheitsfirma heute ein «Securitas», egal, bei welcher Firma er tatsächlich angestellt ist. Die Palette der Dienstleistungen ist so gross wie noch nie zuvor. Neben den nach wie vor zentralen Bewachungsaufgaben sind Veranstaltungs-, Sicherheits-, Verkehrs- und Interventionsdienste im der Securitas Gruppe.





