Sei es elektrisches Licht oder Warmwasser, sei es am Computer oder am Scanner: Büros und ihre Benutzer/innen konsumieren Energie. Doch nicht nur Haustechnik und Bürogeräte schlucken Energie, auch in einem unscheinbaren Arbeitsmaterial, ohne das im Büro allerdings gar nichts geht, steckt viel Energie: im Papier. Eine Ende März veröffentlichte Studie zeigt, dass hier noch vieles im Argen liegt. Der Verbrauch der grössten Banken, Versicherungen und Telekommunikationsunternehmen macht 10 bis 15 Prozent des jährlich in der Schweiz konsumierten grafischen Papiers von 625 000 Tonnen aus. Und das Potenzial, den Verbrauch zu reduzieren und auf umweltschonendere Papierarten umzusteigen, ist beträchtlich - so lauten die Einschätzungen der Auftraggeber der Studie, des WWF Schweiz und des Forest Stewardship Councils (FSC) Schweiz.
Insgesamt 56 Unternehmen wurden angefragt, über die Menge des Papierverbrauchs, die Typen des verwendeten Papiers und - falls vorhanden - über ihre Papier-Policy Auskunft zu geben. WWF und FSC haben Papier ins Visier genommen, weil dessen Herstellung umweltbelastend ist. Laut Damian Oettli, Projektleiter Wald beim WWF Schweiz, tragen vier Faktoren dazu bei: der Wasser- und Holzverbrauch, chemische Zusatzstoffe, die unter anderem zur Bleichung eingesetzt werden, sowie die Energie. «Die Papierproduktion ist ein sehr energieintensiver Prozess», sagt Oettli.
Die 56 angeschriebenen Unternehmen wurden nach ihrer Grösse ausgewählt, in den drei Branchen Bank, Versicherung und Telekom beschäftigen diese am meisten Angestellte. Dabei konzentrierte sich die Umfrage auf grafisches Papier, Papier also, worauf geschrieben und gedruckt wird. Ausgenommen wurden hygienische Papiere - etwa fürs WC -, Verpackungsmaterial oder Zeitungen.
KriteriumÖkobilanz
Als «ernüchternd» interpretiert Damian Oettli die Ergebnisse. Denn bloss drei Firmen konnten sich als vorbildlich gegenüber ihren Konkurrenten profilieren: Die Alternative Bank Schweiz, die Basler Kantonalbank sowie die Coop Bank. Gemessen an einer maximalen Umweltbelastung durch Papierkonsum («worst case scenario) erreichen sie um 60 bis 70 Prozent reduzierte Werte. Was machen diese besser? «Sie setzen konsequent auf Recyclingpapier», sagt der WWF-Fachmann, «und sie wählen besonders gutes Recyclingpapier.» Denn auch bei den Papieren, die aus Altpapier gewonnen werden, gebe es mehr oder weniger umweltbelastende. «Die drei Spitzenreiter schauen sich deswegen die Ökobilanzen der Hersteller an.» Gerade die ökologisch richtige Wahl des Papiertyps könne die Umweltbelastung um 60 bis 80 Prozent reduzieren. Zudem haben die drei Banken eine hausinterne Praxis etabliert, wonach beispielsweise Papiere doppelseitig bedruckt und auch Makulaturen weiterverwendet werden. Ausserdem würden Mailings gezielt an Kunden gesandt, um Streuverluste zu vermeiden, aber auch um Papier nicht unnötig zu verschleissen. Auch versuchen sie, ihre Kunden zu bewegen, auf E-Banking umzusteigen.
Neben Recyclingpapier gibt es auch FSC-Papier. Dieses ist zwar nicht so umweltschonend wie recyceltes Papier, da es wie «normales» Papier aus Frischfasern hergestellt wird. Doch der FSC zeichnet als Organisation, die Zertifikate verleiht, ausschliesslich Papier mit ihrem Siegel aus, dessen zentraler Rohstoff Holz aus verantwortungsbewusst bewirtschafteten Wäldern stammt. Menschen, Flora und Fauna werden nicht beeinträchtigt, so Damian Oettli, und der Warenfluss vom Holzschlag bis zur Papierproduktion wird kontrolliert.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei Banken, Versicherungen und Telekomfirmen noch Nachholbedarf besteht. Die beiden Grossbanken UBS und CS stehen noch einigermassen gut da: Sie unterschreiten das «worst case scenario» - die maximale Umweltbelastung durch Papierkonsum - um 35 Prozent. Doch viele Kantonalbanken und auch die Raiffeisen Gruppe weisen die Maximalwerte auf. Was wollen WWF und FSC weiter tun? Der WWF fordert laut Oettli die Kundschaft der angefragten Unternehmen auf, diese zu einem umweltschonenderen Papiergebrauch anzuhalten. Zudem will die Naturschutzorganisation ihre Expertise den Unternehmen schmackhaft machen.
Weiterbildung
Der WWF Schweiz bietet Kurse für ein klimafreundliches Büro an. In der dreistündigen Abendveranstaltung lernen Teilnehmende unter anderem, energieeffiziente Bürogeräte zu beschaffen, und werden mit Lieferanten von umweltschonendem Papier bekannt ge-macht. Für KV-Mitglieder gilt der ermässigte Tarif von CHF 50.- (anstatt CHF 90.-). Im Netz: www.wwf.ch/bildungszentrum.





