Die Wirtschaft läuft wie geschmiert, der Markt für Fachkräfte trocknet zu nehmend aus. Dies ist der richtige Moment, um sich aus unbefriedigenden Arbeitsver hältnissen zu verabschieden, eine Anstel lung in Wohnnähe zu suchen oder einen Karrieresprung ins Auge zu fassen. Statt Däumchen zu drehen, bis der Traumjob vielleicht irgendwann im Stellenanzeiger erscheint, kann man mit einer Spontanbe werbung auch aktiv auf den WunschArbeit geber zugehen.
«Aus eigener Initiative bei einer Firma um einen Job anfragen ist grundsätzlich eine gute Strategie», urteilt Detlef Zipperer vom RAV BaselStadt. Denn zurzeit seien viele Firmen dabei, ihr Personal aufzusto cken. Zipperer: «Wenn man Glück hat und den richtigen Zeitpunkt trifft, läuft eine Spontanbewerbung fast ohne Konkurrenz.» Von qualifizierten Spontanbewerbungen profitieren aber auch die Unternehmen: «Sie sparen die Kosten für Stelleninserate und Personalvermittlungsbüros sowie die Zeit für aufwändige Auswahlverfahren», be tont Zipperer.
Wer sich allerdings statt mit einem aus führlichen Motivationsschreiben einfach mit einem «Hallo, hier sind meine Unterlagen» melde, habe schlechtere Chancen, warnt JeanClaude Donzel, Mediensprecher von Swiss. Je spezifischer man sich auf eine Stelle bewerbe, desto grösser seien die Erfolgsaussichten. «Wenn eine Spontanbewerbung alle Unterlagen wie den kom pletten Lebenslauf, Zeugnisse und Diplome enthält und zudem aus dem Motivations schreiben klar hervorgeht, wofür man sich interessiert, stehen die Chancen besser», sagt Donzel. Allein der Umstand, dass man zum Beispiel aufgrund einer Heirat umge zogen ist und nun einen Job in der Nähe des neuen Wohnorts sucht, ist für das Unter nehmen kein Grund, auf eine Spontanbe werbung einzutreten. In solchen Fällen solle man sich stattdessen informieren, was für Stellen offen seien und welche Anforde rungen gestellt werden, so Donzel.
Vorher telefonieren
Genau gleich tönt es bei der Alternativen Bank Schweiz (ABS): «Dass jemand in der Nähe wohnt, ist sicher kein Grund für eine Einstellung. Uns interessieren die Qualifika tion, die Motivation und die Haltung der Bewerberinnen und Bewerber», sagt ABSPersonalleiterin Roswitha Kick. Auch wenn man über eine spezielle Affinität zur ABS verfüge - etwa weil ein Verwandter oder eine Bekannte dort arbeitet - sei das zwar ein Pluspunkt, aber noch kein Auswahlgrund. «Zumindest ist dann klar, dass die Person weiss, was die Besonderheit unseres Unter nehmens ausmacht und wie die ABS funktioniert», meint Kick: «Denn wer zu uns will, muss sich mit unseren ethischen Normen und Zielsetzungen identifizieren können.» So seien beispielsweise Banker, deren Hauptmotivation ein möglichst grosser Lohn sei, bei der ABS an der falschen Adres se. Kick: «Aus einer Spontanbewerbung soll te ersichtlich werden, dass man sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat.»
Darüber hinaus sei es von Vorteil, wenn eine Person nicht einfach bloss «Lust» be kunde, bei der ABS zu arbeiten, sondern über eine Vorstellung verfüge, in welche Ab teilung sie passen könnte und welche Ein satzmöglichkeiten bestehen. Ist man nicht sicher, ob man über das nötige Profil ver fügt, kann man sich telefonisch erkundigen. Roswitha Kick: «Anrufer mit passenden Qualifikationen werden von mir zur Bewer bung ermuntert. Steht der bisherige Leis tungsausweis dagegen völlig schräg in der Landschaft, dann sage ich klar: keine Chan ce.» Bei Grossunternehmen ist eine telefonische Erkundigung dagegen problema tisch: «Das macht nur Sinn, wenn man genau weiss, wer in der Personalabteilung fürs jeweilige Bewerberprofil zuständig ist», sagt Detlef Zipperer vom Basler RAV.
Adressat muss stimmen
Hat man sich zu einer Spontanbewerbung entschlossen, gilt es, gewisse formale Re geln zu beachten. So sollte insbesondere der Bewerbungsbrief sorgfältig auf die Firma zugeschnitten werden: «Die Bewerbungs motivation muss sehr überzeugend darge legt werden. Ein allgemeines Bewerbungs schreiben, bei dem das spezifische Interesse am Unternehmen nicht sofort ersichtlich ist, bringt wenig», erklärt Zipperer. Bewirbt man sich im ITBereich, so reicht man sein Dossier selbstverständlich per EMail ein. In anderen Branchen und vor allem in kleinen Firmen sind elektronische Bewerbungen dagegen nicht immer erwünscht: «Zum Teil werden Bewerbungsmails beim Ausmisten der Inbox gelöscht. Insbesondere für Kader stellen sollte man sich deshalb schriftlich bewerben - ausser man wird auf der Unter nehmenshomepage ausdrücklich zur digi talen Bewerbung ermuntert», meint Zip perer.
Dies bestätigt auch SwissSprecher JeanClaude Donzel: «Wenn man eine Spontan bewerbung einreicht, macht sich eine gut präsentierte schriftliche Bewerbung sicher besser als eine elektronische.» Neben der passenden Form sollte man auch den rich tigen Adressaten wählen. Dies gilt auch für elektronische Bewerbungen: «Wird eine In ternetbewerbung an die allgemeine MailAdresse geschickt, landet sie zwar trotzdem bei mir, aber ich wundere mich dann schon, weshalb sich der Kandidat oder die Kandidatin nicht einmal die Mühe nimmt, auf unserer Homepage nachzuschauen, wel ches die korrekte MailAdresse für Bewer bungen ist», moniert Roswitha Kick von der ABS. Falsch sei es auch, Bewerbungen direkt an einzelne Abteilungen statt an die Fach stelle Personal zu schicken.
Sich nochmals bewerben
Allgemeine Bewerbungen ohne irgendei nen Bezug zum Unternehmen oder einer möglichen Stelle schickt die ABS postwen dend zurück. Das Gleiche gilt, wenn schon am abgegriffenen Papier ersichtlich ist, dass ein Dossier bloss herumgeschickt wird, um die Auflagen des RAV zu erfüllen. Ernsthafte Bewerber erhalten dagegen nach zwei Ta gen eine Eingangsbestätigung. «Gerade bei Spontanbewerbungen kann es anschlies send durchaus drei bis vier Wochen dauern, bis man wieder von uns hört - etwa dann, wenn eine Abteilungsleiterin oder ein Abtei lungsleiter gerade in den Ferien ist», meint Kick. Gute Spontanbewerbungen seien für die ABS ein kleiner Schatz, den man aktiv bewirtschafte: «Ist für eine interessante Be werbung gerade keine passende Stelle frei, dann frage ich an, ob ich das Dossier pen dent halten darf. Ergibt sich später eine Va kanz, laden wir diese Personen zum Ge spräch ein», erklärt Kick.
Auch bei der Swiss besteht diese Chance. Doch häufig sei es so, dass nach einiger Zeit der Lebenslauf nicht mehr aktuell oder die Adresse ungültig sei, erklärt JeanClaude Donzel: «Deshalb ist es besser, wenn sich die Person später noch einmal neu auf eine ausgeschriebene Stelle bewirbt. Alle gros sen Firmen publizieren ihre offenen Stellen auf einem JobPortal, über das die Bewer bungen auch abgewickelt werden.»
Bei einigen Betrieben ist dies der einzige mögliche Bewerbungsweg. Das Industrie unternehmen ABB beispielsweise erteilt spontanen Bewerbern generell eine Abfuhr: «Es kommt äusserst selten vor, dass bei ABB Schweiz jemand aufgrund einer Spontanbewerbung eingestellt wird. Daran ändert auch die gute Konjunkturlage nichts», sagt Mediensprecher Lukas Inderfurth: «Solche Bewerberinnen und Bewerber werden dann auf die ABBJobbörse im Internet hingewie sen.»
Sich auf Indsider beziehen
Im Zwischenbereich zwischen Spontanbe werbung und einer Bewerbung um einen offiziell ausgeschriebenen Job gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Man kann sich für eine Stelle melden, von der man via einen Insider erfahren hat, dass sie frei ist oder demnächst frei wird. «In solchen Fällen ste hen die Chancen besonders gut. Denn eine firmeninterne Referenz wirkt positiv», meint Detlef Zipperer.
Für viele Unternehmen ist die Besetzung von Vakanzen aufgrund von MitarbeiterEmpfehlungen sogar der eigentliche Kö nigsweg: «Wir teilen freie Stellen grundsätz lich allen unseren Mitarbeitenden mit, denn über solche Vermittlungen kommen erfah rungsgemäss sehr gute Bewerbungen herein», konstatiert etwa ABSPersonalleiterin Roswitha Kick.
Checkliste
Eine Spontanbewerbung macht nur Sinn, wenn man glaubhaft darlegen kann, wieso man die richtige Person für ein Unternehmen ist. Dazu muss man den Betrieb gut kennen. Infos findet man im Internet, in Zeitungen, bei Kollegen, in Jahresberichten, Firmenbroschüren, Verkaufskatalogen sowie an Fachmessen und Tagungen. Der Begleitbrief soll insbesondere folgende Punkte berücksichtigen:
- Beziehe ich mich detailliert auf Leitbild und Firmenpolitik?
- Wird meine spezielle Bewerbungsmotivation für gerade dieses Unternehmen deutlich?
- Welches sind meine firmenspezifischen Qualifikationen?
- In welcher Abteilung und Funktion kann ich eingesetzt werden?
- Stelle ich den angestrebten Jobwechsel als logischen, aufbauenden Karriereschritt dar?





