Context 04 / 2007 | 16. Februar 2007

FOKUS

Ruhe kostet Arbeitsplätze

Erstmals haben sich auch die Beschäftigten in die Fluglärmdebatte eingemischt. Die mit einer Initiative geforderte Einschränkung des Flugbetriebs kostet nach ihrer Ansicht Tausende von Arbeitsplätzen.

 

Seit Deutschland den Nordanflug auf den Flughafen Zürich massiv eingeschränkt hat, kochen in und um Zürich die Emotionen rund um das Thema Fluglärm. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendeine Interessengruppe ihren Standpunkt lautstark in die Öffentlichkeit trägt. Bislang haben sich die Angestellten der Betriebe am Flughafen aus diesem Streit herausgehalten, denn wie die Lärmlast verteilt wird, ist für ihre Arbeit von untergeordneter Bedeutung.

 

Am 5. Februar aber wurde im Zürcher Kantonsrat eine Initiative diskutiert, die eine Plafonierung der jährlichen Flugbewegungen bei 250 000 und eine Ausdehnung der Nachtruhe auf neun Stunden vorsieht. Diese Diskussion hat nun erstmals auch die Angestelltenorganisationen, die Beschäftigte am Flughafen vertreten, auf die Strasse getrieben, konkret vor das Parlamentsgebäude des Kantons. Mit dabei auch Benedikt Gschwind, Leiter Luftverkehr beim KV Schweiz. Unter dem Slogan «Mein Arbeitsplatz=Ihr Fluglärm, Ihre Mobilität=mein Arbeitsplatz» machten die Verbände darauf aufmerksam, dass die von den Initianten geforderten Einschränkungen massive Auswirkungen auf die Arbeitsplätze am Flughafen haben würden. «2001 bis 2005», so Benedikt Gschwind, «wurden am Flughafen Tausende von Stellen abgebaut. Jetzt endlich hat sich die Situation stabilisiert. Es werden wieder neue Stellen und damit auch Lehrstellen geschaffen.» Diese hoffnungsvollen Anzeichen seien durch die Initiative, aber auch durch den etwas moderateren Gegenvorschlag der betroffenen Gemeindebehörden, gefährdet.

 

Dass die Beschränkung der Flugbewegungen den Beschäftigten das Leben schwer macht, ist nahe liegend. Immerhin verzeichnet Zürich bereits heute 260 000 Starts und Landungen, also mehr, als bei einer Annahme der Initiative erlaubt wären. Doch auch die Ausdehnung des Nachtflugverbotes bereitet Sorgen. «Das Netzwerk der weltweiten Zivilluftfahrt ist sehr komplex. Einschränkungen in Zürich können nicht einfach durch Verschiebungen der Starts oder Landungen an den Ziel- oder Ausgangsflughäfen aufgefangen werden.» Konkret: Inner-europäische Shuttleflüge kommen oft erst nach 22 Uhr in Zürich an, weil sie Anschlüsse abwarten müssen. Und Flüge aus Fernost oder Südafrika kommen in der Regel vor sieben Uhr morgens an. «Eine Ausdehnung der Nachtsperre», so Gschwind, «würde die Swiss dazu zwingen, Destinationen aus ihrem Angebot zu streichen, obwohl ein Markt dafür da ist.»

 

 

Auf einen konkreten Vorschlag, wie mit dem Fluglärm umgegangen werden soll, haben die Angestelltenorganisationen bewusst verzichtet. «Wir haben grosses Verständnis dafür, dass die Gemeinden rund um den Flughafen endlich Planungssicherheit wollen», sagt Gschwind. Gegen Vorschläge, die den Status Quo nicht gefährden und einen moderaten Ausbau des Flugbetriebes erlauben, würden die Verbände deshalb wohl nicht auf die Strasse gehen. «Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Fluglärmdebatte auch eine Diskussion um Arbeitsplätze ist. Immerhin arbeiten am Flughafen rund 24 000 Menschen.» Machten auf die Anliegen der Beschäftigten aufmerksam:

Kapers-Präsident Urs Eicher (vorne), Benedikt Gschwind vom KV Schweiz (mitte).

Fachhochschule

 

Im Aufwind

Wer ein Fachhochschulstudium absolviert hat, schafft mit hoher Wahrscheinlichkeit einen sozialen Aufstieg. Dies ist das Fazit einer Untersuchung von Urs Dürsteler, Prorektor an der HWZ, und Marcel Hänsli, Analyst im Rückversicherungsgeschäft (Mitarbeit: Toni Schmid von FH Schweiz, dem Dachverband der Absolvent/innen von Fachhochschulen). Die Autoren verglichen unter anderem Absolvent/innen von Fachhochschulen mit Uni-Abgänger/innen, welche über eine bedeutend tiefere soziale Mobilität verfügen. Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass Kinder aus Unter- und Mittelschichtsverhältnissen bedeutend öfter die FH besuchen als die Uni. Wer sich für die vollständige Studie interessiert, findet die Ergebnisse im Buch «Soziale Mobilität durch das Fachhochschulstudium». Das Buch kostet CHF 38.- und ist im Buchhandel oder direkt bei www.haupt.ch erhältlich