Context 1 + 2 / 2007 | 19. Januar 2007

FOKUS

«Wir werden wachsam sein»

Die Übernahme von Denner durch die Migros kann für die Angestellten auch eine Chance sein, meint Barbara Gisi.

 

Context: Letzten Freitag wurde bekannt, dass die Migros die Mehrheit an Denner übernimmt. Wie beurteilen Sie diesen Entscheid?

Barbara Gisi: Man hat ja schon länger gemunkelt, dass Denner zum Verkauf steht. Dass jetzt die Migros den Zuschlag erhielt und nicht etwa ein ausländischer Discounter, freut mich.

 

Wieso?

Mit der Migros haben wir eine bewährte Sozialpartnerschaft. Wir werden nun darauf hinwirken, den GAV auch auf die Angestellten von Denner auszudehnen.

 

Würden diese vom Migros-GAV überhaupt profitieren? Immerhin ist der Mindestlohn bei Denner rund hundert Franken höher als bei der Migros.

Das stimmt, aber ansonsten sind die Migros-Angestellten deutlich besser gestellt, sei es bei den Ferien, bei der Wochenarbeitszeit oder bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Unter dem Strich wäre der Migros-GAV für die Angestellten von Denner eine deutliche Verbesserung. Ausserdem darf man der Frage der Mindestlöhne sowieso nicht allzu viel Bedeutung zumessen: Bei der Migros verdienen 99,7 Prozent der Angestellten mehr als den Mindestlohn.

 

Ist ein Stellenabbau grösseren Ausmasses zu befürchten?

Bislang gab es uns gegenüber keine entsprechenden Äusserungen. Ich habe auch keine schlimmen Befürchtungen in diese Richtung. Die grosse Bereinigung bei den Discountern fand ja schon statt, als Denner Pick Pay übernommen hatte. Heute steht neben fast jeder grösseren Migros-Filiale ein Denner. Das ist von beiden Seiten so gewünscht, da sich die beiden Unternehmen ja eher ergänzen als konkurrenzieren.

 

Und im Backoffice-Bereich?

Da bin ich weniger zuversichtlich. Die Erfahrung bei Fusionen zeigt, dass Strukturen in der Regel nicht doppelt geführt werden. Andererseits fusionieren die beiden Unternehmen ja nicht sofort. Denner-Chef Philipp Gaydoul will noch mindestens drei Jahre im Amt bleiben. Das müsste genügend Zeit geben, um eine allfällige Zusammenführung der Overheads ohne Stellenabbau zu bewerkstelligen. Wir werden auf jeden Fall wachsam sein.

 

Mit Denner haben die Nachfolger des Abstinenzlers Gottlieb Duttweiler den grössten Alkoholverkäufer der Schweiz übernommen. Geht das überhaupt?

Auf diese Diskussionen bin ich auch gespannt. Andererseits verkauft die Migros auch im Globus bereits Alkohol, und da stört sich heute auch niemand mehr daran.

Interview: Ingo Boltshauser